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Das kleinste Ego aller Zeiten

Rekordfußballerin Birgit Prinz bleibt sich auch bei ihrem Abschiedsspiel in Frankfurt am Main treu

  • Von Oliver Händler
  • Lesedauer: 3 Min.
Mit einem Abschiedsspiel in Frankfurt am Main hat sich der Deutsche Fußball-Bund verabschiedet. Von Birgit Prinz, der erfolgreichsten Torschützin aller Zeiten, der Spielerin mit den meisten Einsätzen aller Zeiten, der Galionsfigur mit dem kleinsten Ego aller Zeiten.

Sie wollte es schnell hinter sich bringen. Birgit Prinz sah das Zeichen zur Auswechslung von Bundestrainerin Silvia Neid und rannte Richtung Seitenlinie. Momente im Mittelpunkt waren der Frankfurterin nie recht. »Vielleicht hole ich mir noch jemanden dazu«, überlegte sie kurz vor dem Spiel. Die Entscheidung, wer das sein sollte, nahmen ihr alle anderen Spielerinnen auf dem Feld ab. Sie kamen alle mit. Prinz' mögliche Nachfolgerin Alexandra Popp stellte sich ihr in den Weg, so dass genug Zeit blieb, ein Spalier zu bilden. Wegstehlen konnte sich der Ehrengast diesmal nicht.

»Es war ein sehr, sehr schöner Abend. Die Zuschauer haben Spaß gemacht«, beschrieb Prinz später ihre Gefühlswelt in gewohnt kurzen Sätzen. Eine Selbstdarstellerin war sie nie, Tore zu schießen hat ihr immer gereicht. Im Stadion am Bornheimer Hang, der den Anfang und nun mit dem Abschiedsspiel auch das Ende ihrer Karriere umrahmte, stellte sie das Talent dazu erneut unter Beweis. Beim 6:3 der Nationalmannschaft gegen den 1. FFC Frankfurt, erzielte Prinz je ein Tor für beide Teams. Ein jedes typisch für Birgit Prinz: schneller Antritt, Fuß in die Flanke halten, irgendwie rein das Ding. Nicht schön, Hauptsache drin.

Nach dem zweiten Treffer zum Endstand war Schluss. Von da an gab es nur noch Winken, Abklatschen und Umarmungen. Mit Nationalteammanagerin Doris Fitschen, die Prinz auf dem Feld ersetzte. Mit Bundestrainerin Neid, mit der alte Dispute längst ausgeräumt sind. Und mit Papa Stefan Prinz, der als Co-Trainer der Frankfurterinnen dabei sein durfte und sich beim bewegenden Abschied am Dach der Auswechselbank festhielt. Seine Rührung schien größer als die der Tochter.

»Birgit ist ein sehr emotionaler Mensch – und ein sehr rationaler Mensch«, beschrieb Frankfurts Manager Siegfried Dietrich die zukünftige Sportpsychologin, die ihm so viele Titel beschert hat. »Sie strahlt viel Freude aus, wenn es darauf ankommt, auch wenn sie gegenüber der Öffentlichkeit distanziert bleibt. Sie wollte nur mit Fußball glänzen. Das ist ihr gelungen. Wir werden sie vermissen.« Neid sagte, dass Prinz den Frauenfußball in Deutschland auf eine höhere Ebene getragen habe.

Voller Lob waren auch die anderen »Ehemaligen«, die zum Abschiedsspiel gekommen waren: Renate Lingor, Bettina Wiegmann, Steffi Jones, Maren Meinert und viele mehr. Auch Tina Theune, unter der Prinz erstmals Weltmeisterin wurde, saß neben Neid auf der Trainerbank. »Es war mir sehr wichtig, dass gerade die alten Spielerinnen alle gekommen sind. Mit ihnen hatte ich eine Superzeit«, sagte Prinz, und zog ein rundum positives Fazit: »Ich habe viel erlebt und tolle Menschen kennengelernt. Ich denke, das war eine sehr schöne Karriere.«

Die wütende Prinz nach der Auswechslung im letzten Länderspiel bei der WM 2011 erwähnte niemand – außer Prinz selbst. Nach dem Spaliermarsch stellte sie die Szene mit den Wechselspielerinnen nach. Dieses Mal mit einem Lachen im Gesicht. Sie ist mit sich im Reinen, kein Zweifel.

Die Erfolgsbilanz

1. Länderspiel: 27.7.1994 (Kanada)
Länderspiele: 214
Länderspieltore: 128
Weltmeisterin: 2003, 2007
Olympiabronze: 2000, 2004, 2008
Europameisterin 1995, 1997, 2001, 2005, 2009
Weltfußballerin: 2003, 2004, 2005
UEFA Cup: 2002, 2006, 2008
Deutsche Meisterin: 9 mal
DFB-Pokal-Siegerin: 10 mal

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