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Tödliche Vorurteile

Kommentar von Olaf Standke

Trayvon Martin wurde vor vier Wochen von einem Mitglied der Bürgerwehr in Florida getötet. Gestern bedankten sich seine Eltern im Kongress bei allen, die die Familie in ihren schwersten Stunden unterstützt hätten - und dafür sorgten, dass der 17-Jährige nicht sinnlos gestorben ist. Die Ermordung des afroamerikanischen Teenagers hat in den USA eine heftige Debatte ausgelöst, die so mancher nach der Wahl von Barack Obama nicht mehr für nötig halten wollte. Doch der Rassismus ist nach dem Einzug des ersten schwarzen Präsidenten in das Weiße Haus nicht so einfach verschwunden, wie jetzt auch das von demokratischen Abgeordneten organisierte Forum zu Hasskriminalität und Rassismus in der Strafverfolgung zeigte. Die alten Vorurteile sind virulent. Trayvons Mörder wurde nicht festgenommen. Er fühlte sich bedroht, die Polizei glaubte ihm. Nur war der Junge gar nicht bewaffnet.

Der Bürgerrechtler Jesse Jackson sprach von einer »tiefgreifenden Ungerechtigkeit«. Und glaubt man einer aktuellen Umfrage, müsste er damit die Meinung einer Mehrheit im Lande zum Ausdruck gebracht haben, votierten in einer aktuellen Umfrage doch 73 Prozent der Befragten dafür, den Todesschützen festzusetzen. Politisch aber kann nicht einmal ein schwarzer Präsident den Rassismus scharf verurteilen. »Hätte ich einen Sohn, er würde aussehen wie Trayvon«, sagte er erschüttert nach seinem Tod - und prompt warfen ihm angesichts dieser »schändlichen« Worte republikanische Präsidentschaftsbewerber vor, den Fall zu »politisieren«. Obama übrigens erhält pro Tag etwa 30 Todesdrohungen, deutlich mehr als jeder seiner Vorgänger.

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