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Rechtsextreme wollen Stärke demonstrieren

Großdemonstration im dänischen Aarhus gegen Einwanderung / Gesinnungsgenossen aus Europa erwartet

  • Von Andreas Knudsen, Kopenhagen
  • Lesedauer: 3 Min.
Dänemarks Rechtsextreme finden kaum Zuspruch im eigenen Land. Nun wollen sie verstärkt in die Öffentlichkeit gehen - auch mit Unterstützung von Neonazi-Parteien aus anderen Ländern.

Die rechte Szene Dänemarks hielt sich lange zurück mit großen öffentlichen Aktionen. Doch nun soll es sein: Die Dansk Defence League DDL (Dänische Verteidigungsliga) ruft zu einer Großkundgebung »gegen Einwanderung und Islamisierung Dänemarks« am Sonnabend in der zweitgrößten Stadt des Landes, Aarhus, auf. Teilnehmen soll auch der Vorsitzende des britischen Vorbilds der rechtsextremen Partei, Tommy Robinson, der von einer Reihe Gesinnungsgenossen begleitet werden wird.

Die DDL betrachtet sich als Abteilung der English Defence League (EDL) und hat zumindest auf dem Papier deren ideologische Haltungen übernommen. Beide Parteien sehen sich als Menschenrechtsorganisationen auf dem Boden der Verfassung und lehnen zumindest in offiziellen Erklärungen Gewalt ab. In dem Aufruf zur Großdemonstration wird deshalb viel von Meinungs- und Versammlungsfreiheit gesprochen, die man in Anspruch nehmen wolle - gegen den Widerstand »totalitärer, kommunistischer Organisationen«. Mit dieser Pauschalbezeichnung werden alle anderen Organisationen versehen, die zu einer parallelen Gegendemonstration aufgerufen haben. Dazu zählen verschiedene Gewerkschaften, Studentenorganisationen und die Jugendverbände der linken Parteien Dänemarks.

Beide Demonstrationen werden an weit voneinander entfernten Plätzen in Aarhus abgehalten, sodass Zusammenstöße zumindest während der angemeldeten Zeit der Demonstrationen vermutlich vermieden werden. Die Herausforderung für die Polizei wird darin bestehen, die beiden Gruppierungen auch vor und nach den Kundgebungen voneinander zu trennen.

Aarhus wurde nicht zufällig für eine Demonstration der Stärke der rechten Szene Dänemarks gewählt. Im Vergleich zu anderen dänischen Städten, insbesondere zu Kopenhagen, verfügt die DDL hier über eine ernst zu nehmende Anhängerbasis. Das hat dazu geführt, dass auch unter links gesinnten Jugendlichen eine radikale Szene entstanden ist. Was wiederum bewirkt, dass sich beide Gruppen häufig gewaltsame Auseinandersetzungen liefern.

Die DDL ist trotz ihres behaupteten Status als »Volksbewegung zur Verteidigung der dänischen Nation« eine geschlossene und teilweise konspirativ agierende Gruppierung. Die tatsächliche Zahl ihrer Mitglieder und Sympathisanten ist schwer abzuschätzen. Der Kampf gegen Einwanderung aus der Dritten Welt und die behauptete Islamisierung Dänemarks ist oberstes Anliegen der DDL.

Beobachter aus der linken Szene glauben, dass die Kraftprobe am Sonnabend Ergebnis eines Kurswechsels in der DDL ist. Ihr bisheriger Vorsitzender sitzt wegen Gewaltanwendung in Untersuchungshaft und sein Nachfolger Philip Traulsen will die Organisation offensichtlich mehr in die Öffentlichkeit bringen. Er selbst sieht sich in der Rolle des verfolgten Demokraten, der zu einer friedlichen Demonstration aufruft, und fordert in internen E-Mails gleichzeitig dänische Neonazis auf sich anzuschließen. Traulsen kann bei seinen Anstrengungen auf ein Netzwerk zurückgreifen, das er in der Zeit seiner Mitgliedschaft in anderen rechtsradikalen Gruppierungen - darunter »Blood and Honor« - aufgebaut hat.

Allen Anstrengungen und kurzzeitigen Machtdemonstrationen mit ausländischer Hilfe zum Trotz ist die neonazistische Szene in Dänemark jedoch weitgehend isoliert und politisch von geringer Bedeutung. Ihre Gewaltbereitschaft darf aber nicht unterschätzt werden: Einige Mitglieder haben beispielsweise Waffen- und Kampftraining bei russischen Gesinnungsgenossen bekommen.

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