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Schminke auf Leben und Tod

Vorbereitungen für die neue Dauerausstellung in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück

  • Von Marion van der Kraats, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

Bunte Blumenmuster sind auf das Baumwollkleidchen gestickt. Es gehörte Sylvia Elisabeth van Otten-Snijder. Das niederländische Mädchen, das im Januar 1945 im KZ Ravensbrück zur Welt kam, wurde nur vier Wochen alt. Seine Mutter bewahrte das Kleid auf. Nun gehört es zu den bewegendsten Zeugnissen des Konzentrationslagers. In einem Jahr soll die neue Hauptausstellung der Gedenkstätte in Fürstenberg/Havel eröffnet werden. »Das ist ein Riesenschritt für Ravensbrück, weil dann die umfangreichen Erträge aus 20 Jahren Forschung gezeigt werden können«, meint Sprecher Horst Seferens.

Seit Juli 2009 ist ein dreiköpfiges Team mit den Vorbereitungen befasst, unterstützt wird es von etwa 30 Wissenschaftlerinnen. Derzeit werden die Ausstellungsräume in der ehemaligen Kommandantur konzipiert. »Ende März muss für die Gestalter klar sein, wie viele Vitrinen wir benötigen oder wie viele Exponate wir zeigen wollen«, erklärt Gedenkstättenleiterin Insa Eschebach.

Frauen aus ganz Europa stellten Erinnerungsstücke zur Verfügung. Hinzu kommen Fotos und Schriftstücke, die Häftlingsverbände bereits zu DDR-Zeiten sammelten. Die Vielfalt ist groß, reicht von der Zigarettenspitze über Schachfiguren, bestickte Taschentücher oder ein winziges, aus Fischknochen geschnitztes Teeservice. »Die Frauen haben sich untereinander Geschenke gemacht.«

Zu den Objekten gehört ein Lippenstift mit dem Emblem des Eiffelturms. »Das war ein verbotene Kostbarkeit«, erzählt Eschebach. »Die Schminke war eine Schminke auf Leben und Tod.« Mit dem Lippenrot ließ sich der Anschein von Gesundheit auf die Wangen zaubern.

In der Ausstellung wird auch ein großes Foto von Anna Burger bei der Arbeit im KZ zu sehen sein wird. »Es ist das einzige Foto von der Zuschneiderei«, berichtet die 49-jährige Enkelin Siegried Fahrecker. Die Österreicherin hat ihre Oma, die 1943 in Ravensbrück starb, nicht kennengelernt. Aber Fahrecker reist jedes Jahr zum Tag der Befreiung des Lagers an. »Dann fühle ich mich ihr nahe. Es ist, als käme ich zu ihr zu Besuch«, sagt sie. Ihr Wunsch: Eine Leidensgefährtin ihrer Großmutter kennenzulernen, um mehr über Anna Burger zu erfahren.

Die neue Ausstellung kostet mehr als 2,3 Millionen Euro und soll die Schau aus den 1990er Jahren ersetzen. »Seitdem hat sich der Forschungsstand enorm weiterentwickelt«, schildert Eschebach. Auf einer Fläche von etwa 900 Quadratmetern soll ein Überblick über die Geschichte des Lagers gegeben werden. Aber auch vertiefte Einblicke sollen möglich sein. »Unsere Anmerkungen werden ernst genommen« berichtet Eva Bäckerova, Vizevorsitzende des Internationalen Ravensbrück-Komitees. Die Slowakin war 1944 als vierjähriges Kind in Ravensbrück.

»Die Frauen sind alle ganz außergewöhnliche Persönlichkeiten«, meint Eschebach. Viele engagierten sich nach der Befreiung politisch. Auch dies wird die neue Ausstellung dokumentieren. »Wir haben sehr viele Fotografien von Frauen, die an Mikrofonen stehen und ihre Stimme erheben.«

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