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Thälmannplatz nur bis zur nd-Tour

Stadtverordnete von Hohen Neuendorf beschlossen jetzt die Umbenennung

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

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Am Bahnhof von Hohen Neuendorf
Am Bahnhof von Hohen Neuendorf

Wenn Teilnehmer der nd-Wanderung am 22. April den S-Bahnhof Hohen Neuendorf zur Abreise benutzen, dann können sie dort wahrscheinlich noch den Stein mit der Aufschrift »Thälmannplatz« sehen. Aber die Tage des Steins sind gezählt. Am Donnerstagabend beschloss die Stadtverordnetenversammlung endgültig, die Adresse zu ändern. Die soll künftig Müllheimer Platz lauten und so auf die badische Partnerstadt hinweisen. 16 Stadtverordnete stimmten für den neuen Namen und sieben dagegen, drei enthielten sich.

Die nd-Wanderung startet am 22. April von 8 bis 11 Uhr am S-Bahnhof Hennigsdorf. Eine acht und eine 14 Kilometer lange Strecke führen zum Restaurant »Havelbaude« in der Goethestraße 41b in Hohen Neuendorf. Der S-Bahnhof Hohen Neuendorf liegt 3,3 Kilometer entfernt.

Bereits am 15. Dezember vergangenen Jahres hatte die CDU-Fraktion die Umbenennung des Thälmannplatzes beantragt, worauf uns kürzlich noch einmal nd-Leser empört hingewiesen haben. Schon damals erhielt die CDU für diesen Vorschlag die Zustimmung aller anderen Fraktionen. Nur die Linksfraktion votierte vergeblich dagegen. Denn zwar stellt die LINKE mit Klaus-Dieter Hartung den Bürgermeister der Stadt. Doch der wurde von den Einwohnern gewählt. Von einer Mehrheit im Stadtparlament ist die Partei weit entfernt.

Dass die anderen Partnerkommunen - das polnische Janow Podlaski, das französische Maing und Fürstenau im Osnabrücker Land - bereits auf Straßenschildern vertreten sind, nur Müllheim nicht, genügte keineswegs als Begründung. Es hätte andere Möglichkeiten gegeben. So könnte ein anderer Bereich am Bahnhof Müllheimer Platz genannt werden. Der CDU und weiteren Stadtverordneten ging es aber ausdrücklich darum, den Thälmannplatz zu tilgen.

Dabei gesteht die CDU durchaus zu, dass der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann ein Naziopfer sei, genauso »wie sechs Millionen Juden oder andere«. Allein der »Opferstatus rechtfertigt aber nicht unbedingt die Benennung eines Platzes in unserer Stadt«, hieß es. Die CDU wirft Thälmann, der 1944 im KZ Buchenwald ermordet wurde, absurderweise vor, dass er später in der DDR »unkritisch hochstilisiert« worden sei.

Damit nicht genug: Er habe sich bewusst gegen die Weimarer Republik gestellt und die SPD verunglimpft. Zudem sei unter ihm die Gewalt als Mittel politischer Auseinandersetzung auf die Straßen getragen worden. Die Vorhaltungen steigern sich bis zu der Behauptung: »Statt sich frühzeitig von der Bevormundung der stalinistischen Sowjetunion zu lösen und sich mit den demokratischen Kräften wie der SPD zu verbünden, um die NSDAP in den Anfängen zu bekämpfen, hat er gerade in den Phasen der Bedrohung der Demokratie deren Feinden in die Hände gespielt.«

Zwar gab es die Beschimpfung von Sozialdemokraten als »Sozialfaschisten«, doch auch von der SPD Diffamierungen der Kommunisten, die einer Einheitsfront abträglich waren. Viele haben das bereut, als sie dann gemeinsam im KZ litten.

Die CDU verkauft die Umbenennung des Thälmannplatzes als einen Akt der Stärkung der Demokratie. Der FDP-Stadtverordnete Christian Erhardt-Maciejewski überlegte sogar öffentlich, es nicht dabei zu belassen, sondern auch noch Namen wie Karl Marx und Rosa Luxemburg von Straßenschildern zu verbannen.

»Es hat Petitionen von Bürgern gegen die Umbenennung des Thälmannplatzes gegeben, doch das hat nicht interessiert«, bedauert der Stadtverordnete Marian Przybilla (LINKE). Er forderte provokant, den Baum auf dem Platz zu fällen, der am 7. Oktober 1933 zu Ehren von Adolf Hitler gepflanzt worden sei. Am 16. April, zum Geburtstag Thälmanns, will die LINKE um 17 Uhr am Stein vor dem Bahnhof eine Kundgebung abhalten. »Dann wird der Thälmannplatz noch nicht umbenannt sein. So schnell geht das nicht«, sagt Przybilla.

Ganz wird Thälmann indes nicht aus Hohen Neuendorf verschwinden. Im Ortsteil Bergfelde gibt es noch eine Thälmannstraße.

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