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Die Falkland-Pinguine und der Vogel Strauß

Britische Politiker mogeln sich um Konfliktlösung herum

  • Von Ian King, London
  • Lesedauer: 4 Min.

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Drei Jahrzehnte nach Beginn des Falk-land-Kriegs haben sechs Friedensnobelpreisträger einen Appell an London gerichtet. In dem offenen Brief an Premierminister David Cameron fordern sie Gespräche über den Status der Inseln im Südatlantik. Ein Militärstützpunkt und Manöver dort seien »eine ernsthafte Gefahr für den Frieden und das Zusammenleben«.

Keine britische Partei von Rang geht das wahlpolitische Risiko ein, mit Argentinien über die Zukunft der südatlantischen Felsengruppe, ihrer 3100 Bewohner, der dortigen Schafe und Pinguine sowie der in den nahen Meeren vermuteten reichen Ölvorräte zu verhandeln. Der britische Kriegssieg und der dadurch gestärkte Hurra-Patriotismus stecken den Abgeordneten zu tief in den Knochen. Margaret Thatchers Triumphe, sowohl in Port Stanley als auch bei den Wählern, bleiben unvergessen.

An und für sich sind die Inseln und ihre zumeist britischstämmige Bevölkerung dem Mutterland schnuppe. Aber betrifft es die Psyche beider Inselvölker: Den einen geht um eine glorreich zurückgeschlagene Invasion ihrer Heimat, den anderen um »das letzte Mal, dass britische Militärs einen Krieg wirklich gewannen«. So zumindest Simon Jenkins, Kolumnist im linksliberalen »Guardian«, eines der wenigen Blätter, das schon vor 30 Jahren der patriotischen Hochstimmung nüchtern widerstand.

Dabei weiß jeder, der der Sache nachforscht, dass der britische Anspruch auf Souveränität seit der Annexion der Inseln 1833 auf tönernen Füßen steht. Oder was würde man in London sagen, wenn sich Argentinien erdreisten würde, die südenglische Insel Wight als Teil des Maradona- und Messi-Landes zu beanspruchen? Aber wie in den 1960er Jahren in der BRD, als der Name DDR in allen Regierungsverlautbarungen in Gänsefüßchen stand oder der Staat als »Phänomen« abgetan wurde, gibt es im heutigen Großbritannien haufenweise Anhänger eines Wegsehens nach Art des Vogel Strauß. Nach dem Motto: Wenn Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner kein Entgegenkommen aus London hört, wird sie ihre Souveränitätsforderung begraben.

Diese Hoffnung wäre jedoch kurzsichtig. Erstens gibt es bessere Alternativen. Thatcher wie ihren Labour-Vorgängern war die britische Fahne über Port Stanley bis zur Invasion gleichgültig, wie sich am geplanten Abzug ihres einzigen Kriegsschiffes »Endurance« im April 1982 zeigte. Gleichzeitig liefen Gespräche zwischen Londoner Diplomaten und der damaligen Militärdiktatur in Buenos Aires über einen für beide Seiten vernünftigen Kompromiss: Großbritannien gibt die überlebte Souveränität auf, wie vorher bei der Kolonie Southern Thule, die Südamerikaner verpachten die Inseln langfristig an London zurück.

Erst die Vabanquepolitik der argentinischen Junta, die von ihren Untaten im schmutzigen Krieg gegen die Mehrheit ihrer Landsleute ablenken wollte, verhinderte eine friedliche Lösung - ebenso wie Thatchers eiserner Kriegswille. Deswegen starben mehr als tausend Menschen, deswegen stecken auch die nachfolgenden Generationen in der Sackgasse.

Was man damals gegenüber der Militärdiktatur aufzugeben bereit war, könnte man doch nun getrost der Demokratin Kirchner anbieten. Ein praktisches Argument kommt hinzu: Die Truppen Ihrer Majestät wären heute mangels Kriegsgeräts nicht mehr in der Lage, eine zweite Rettungsaktion zu stemmen. Wie Jenkins im »Guardian« jetzt nachweist, schrammten sie schon vor 30 Jahren haarscharf an einer Niederlage vorbei. Ohne Flugzeugträger, ohne Flieger und Hubschrauber, am anderen Ende der Welt hätten sie keine Chance. Die Tories wissen das, die Labour-Opposition auch.

Im Andersen-Märchen war der Kaiser splitternackt, die britischen Falkland-Verteidiger würden ähnlich aussehen. Wo bleibt aber der kleine Junge, der es dem Gesalbten - und vor allem den britischen Politikern - sagt?

Zahlen und Fakten

  • Die Falklandinseln oder Malwinen (englisch Falkland Islands, spanisch Islas Malvinas) sind eine Inselgruppe im südlichen Atlantik und liegen 395 Kilometer östlich von Südargentinien und Feuerland.
  • Der englische Seefahrer John Davis entdeckte die etwa 200 Inseln 1592. Die ersten Siedlungen wurden 1764 unter französischer Herrschaft von Louis Antoine de Bougainville gegründet.
  • 1766 wurden sie an Spanien übergeben. 1811 stellte Spanien den Unterhalt der Kolonie ein, 1verzichtete aber nicht auf die Souveränität über die Inseln. Seitdem sind sie Gegenstand von Territorialstreitigkeiten, anfangs zwischen Großbritannien und Spanien, danach und bis heute zwischen Großbritannien und Argentinien.
  • 1820 wurde die Inselgruppe von Argentinien in Besitz genommen. Das Vereinigte Königreich errichte dort 1833 einen Flottenstützpunkt und installierte vier Jahre später eine Kolonialverwaltung.
  • Am 2. April 1982 landeten argentinische Invasionstruppen auf den Inseln. Mit der Besetzung versuchte die Militärregierung in Buenos Aires, ihre Macht zu retten.
  • Am 20. Mai begannen die britischen Streitkräfte mit der Rückeroberung. Premierministerin Margaret Thatcher schickte insgesamt 28 000 Mann in den Krieg, Argentinien rund 20 000.
  • Der argentinische General Mario Menendez unterzeichnet 74 Tage nach der Invasion die Kapitulationsurkunde.
  • Für Argentinien sind 649 Soldaten gefallen, mehr als 1000 wurden verletzt. Auf britischer Seite starben 255 Soldaten, es gab 777 Verwundete. Darüber hinaus wurden drei Falkländerinnen getötet.
  • Großbritannien kostete der Krieg 1,5 bis 2,5 Milliarden Pfund, Argentinien rund fünf Milliarden Dollar.

(Agenturen/nd)

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