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Mit Gemüseanbau gegen Landflucht und Migration

Senegals Programm »Rückkehr zur Landwirtschaft« fördert Jungbauern-Kooperativen und erzielt erste Erfolge

  • Von Koffigan E. Adigbli, Dakar (IPS)
  • Lesedauer: 3 Min.
Jeder zweite Senegalese lebt auf dem Land und jeder Vierte der zwölf Millionen Senegalesen rechnerisch von weniger als einem US-Dollar pro Tag. Wie sich auf dem Land Perspektiven schaffen lassen, zeigt das Dorf Darou Ndoye.

Auf den ersten Blick sieht Darou Ndoye aus wie viele andere Dörfer im Westen Senegals, dem junge Einheimische bei erster Gelegenheit den Rücken kehren. Doch 40 Jungbauern haben sich hier auf einer 20 Hektar großen Gemüsefarm als Kooperative organisiert und beweisen mit dem erfolgreichen Anbau von Kohl, Tomaten, Kartoffeln, Möhren und Kürbissen, dass die Landwirtschaft im ländlichen Senegal mit guter Planung und mit etwas Hilfe auskömmliche Existenzen schaffen kann. »Wir verkaufen unsere Erzeugnisse nicht nur auf lokalen Märkten, sondern beliefern auch Nachbarländer wie Gambia und Mali«, berichtete Mbaye Ndiaye. Der 34-Jährige leitet eine der beiden Gruppen von jeweils 20 jungen Leuten, die als Kooperative verschiedene Gemüsesorten anbauen. »Letztes Jahr haben wir umgerechnet 55 000 US-Dollar Gewinn gemacht, das waren für jeden von uns etwa 1400 Dollar«, sagte er IPS.

Die Farm, auf der zehn Hektar bewirtschaftet werden, war 2008 im Rahmen des Regierungsprogramms »Rückkehr zur Landwirtschaft« instand gesetzt worden. Mit dem Projekt bemüht sich die Regierung, das Abwandern Einheimischer in städtische Regionen zu stoppen und sie davon abzubringen, übers Meer nach Europa zu flüchten. Das mit Budgetmitteln finanzierte Projekt wird von den Regierungen in Spanien und Marokko finanziell unterstützt.

Die für die Region zuständige Beraterin Adja Aïda Cissé verwies auf die deutlichen soziökonomischen Auswirkungen der Farm. »Wir versorgen uns selbst, helfen uns untereinander und können dank des mit der Farm erwirtschafteten Gewinns unsere Kinder zur Schule schicken. Eine bessere Möglichkeit der Armutsbekämpfung gibt es nicht.«

Cissé, die auch einen lokalen Förderverein für Landfrauen leitet, berichtete: »Früher verließen viele junge Leute dieses Dorf, um übers Meer illegal nach Europa zu gelangen. Auch von den Leuten, die jetzt hier auf unserer Farm arbeiten, werden zunächst viele daran gedacht haben. Jetzt bleiben sie hier, denn sie haben auf der Farm Arbeit gefunden.«

Papa Guèye, der mit dem Versuch gescheitert ist, nach Spanien auszuwandern, war von Anfang an auf der Farm dabei. Wie er berichtete, gilt es noch einige Hürden zu nehmen. So seien die Preise für Naturdünger viel zu hoch. »Für jeden Hektar benötigen wir 300 Sack Dünger. Hühnermist kostet pro Sack 1.500 CFA (umgerechnet drei Dollar), Kuhnmist sogar 40 Dollar«, kritisierte er. Sein Kollege Saliou Mbaye vermisst ordentliches Ackergerät. »Und der Diesel für unsere Pumpe ist sehr teuer. Alle vier Tage tanken wir 200 Liter für rund 320 Dollar. »In Gambia, Mali und Mauretanien ist die Nachfrage nach unseren Produkten groß«, berichtete er. »Doch um den Farmbetrieb auszuweiten, brauchen wir Traktoren und mehr Wasser.«

Als Mohamed Béavogui, der Direktor der für West- und Zentralafrika zuständigen Abteilung des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), im November 2011 Senegal besuchte und sich auf einigen der REVA-Farmen umsah, war er beeindruckt. »Diese Initiative ist sehr innovativ. Sie ermöglicht jungen Farmern nicht nur eine gesicherte Selbstversorgung. Durch Verkauf und Export ihrer Produkte erzielen sie zudem eigene Einkommen, mit denen sie ihre Lebensbedingungen verbessern können«, lobte der Experte.

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