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Es war ein Jude, der ihm riet: Fahr hin!

Volksbühne: Belafonte

  • Von Walter Kaufmann
  • Lesedauer: 2 Min.

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Als sich am Sonntagmorgen des 1. April der Vorhang für Harry Belafonte teilte, blickte er auf voll besetzte Reihen. Die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin war ausgebucht. Der Sänger strahlte. War ein solcher Andrang für eine Buchvorstellung zu erwarten gewesen? Dass ihm gleich anfangs ein standing ovation beschert sein würde?

Es wird ihn beflügelt haben. Denn Belafonte steigerte sich in freier Rede zu wahrer Erzählkunst - über seine Mutter sprach er, diese schönen Tochter der Karibik, und wie sie dem Leben im New Yorker Harlem die Stirn bot, auch ihrem gewaltbereiten Säufer von Mann, und wie sie abendlich den kleinen Sohn Harry vor dem Zubettgehen dazu anhielt, sich auch morgen wieder gegen das Böse dort draußen zu wehren.

Belafonte erzählte von Erwin Piscator, dem bedeutenden Theatermann aus Deutschland, und was alles von dem zu lernen gewesen war, und wie sie alle von ihm lernten - jene Anfänger mit großen Hoffnungen: Marlon Brando, Rod Steiger, Tony Curtis, Walter Matthau, Schauspielstudenten, die sich später große Namen machten. Brando erwähnte er so liebevoll wie einen Bruder, und Sidney Poitier auch, der ihn nach Mississippi begleitet hatte, als dort der Ku Klux Klan drei jungen Bürgerrechtskämpfern - Goodman, Schwerner und Chaney - aufgelauert und sie ermordet hatte.

Und er erzählte von seinem Auftritt in Berlin im achtundfünfziger Jahr, ein Auftritt in Deutschland, den er wegen der Gräueltaten an den Juden unter allen Umständen hatte auslassen wollen, und den er dann doch wahrnahm, weil ihm der Chef der Plattenfirma RCA, ein österreichischer Jude, dringlich dazu geraten hatte.

Das damalige Erlebnis Berlin hatte ihn tief beeindruckt - und wird ihn an diesem Sonntag wieder beeindruckt haben, weil ihm das Publikum (wohl auch wegen der kompetenten Übersetzung Knut Elstermanns) gebannt zuhörte, und es die von Christian Brückner vorgetragenen Buchausschnitte aus der Autobiographie jubelnd begrüßte. So jubelnd, dass der Sänger dann Brückner spontan beide Hände reichte und man ihn sagen hörte: »I should take that man home with me.«

Besser nicht, dass er mit nach hause nimmt - denn eins ist sicher: Ohne Brückners Lesung aus »My Song« hätte es nach der Vorstellung keinen solchen Andrang auf die Bücher gegeben. Belafonte wird sich beim Signieren die Finger wund geschrieben haben - bedenkenlos, denn was ist schöner als eine derartige Resonanz!

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