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Arbeiter abgelichtet

Bildband zum Lebenswerk des Pressefotografen Erich Schutt

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Erich fotografierte Gleisarbeiter, die Weichen vor dem Schnee bewahrten ... Andere Motive fand er auf dem Kohlebunker, wo Wagen mit langen Stangen von aufgefrorener Kohle gesäubert wurden. Als ich meinen Text längst im Block hatte, musste ich noch lange auf den Fotoreporter warten, der dann noch die Morgendämmerung dieses frostigen Wintertages für ein Panorama mit Förderbrücke nutzen wollte.«

So erinnerte sich ein Journalist an die Zusammenarbeit mit Erich Schutt. 1953 fing Schutt bei der »Lausitzer Rundschau« in Cottbus an. Er war der erste und zunächst einzige Bildreporter dieser Zeitung. Er entwickelte sich bei der »Rundschau« zu einem bekannten Pressefotografen der DDR und blieb bis zur Rente im Jahr 1994.

Jetzt würdigt ein Bildband des Domowina-Verlags den Mann, dessen Markenzeichen Bilder der Braunkohlekraftwerke und der Großbaustellen im Bezirk Cottbus waren. Der Bildband begleitet die Ausstellung »Erich Schutt - Fotografien der Niederlausitz«, die vom 20. April bis 24. Juni 2012 im Wendischen Museum in Cottbus und im Heimatmuseum Dissen gezeigt wird.

Ein Kapitel des Buches, in dem Horst Adam, einst Chefredakteur der niedersorbischen Wochenzeitung »Nowy Casnik«, über die Zusammenarbeit mit Erich Schutt erzählt, findet sich leider nur in sorbischer Sprache. Das ist schade. Eine Übersetzung wäre schön gewesen. Sonst lässt sich aber nichts Negatives über diesen schönen Bildband sagen.

Schutt lichtete traditionelles sorbisches Leben in den Dörfern des Spreewalds genauso ab wie die Mechanisierung in der Landwirtschaft und das Wachsen von Neubaugebieten. So hat er den Wandel in der Lausitz dokumentiert. »Nichts war Schutt für ein gutes Bild zu kompliziert oder zu gefährlich«, schreibt Herausgeber Jürgen Matschie. »Waren die Schornsteinbauer oben auf der letzten Etage des Gerüsts, musste er möglichst noch darüber für sein Bild. Er wollte den ›Erbauern des Sozialismus‹, den Arbeitern, den Bergmännern so nahe wie möglich sein.«

Erich Schutt steht mit anderen Kollegen für die Abkehr von inszenierten Pressefotos. Er selbst bemerkt, ein Mann an einer Maschine, »der optimistisch in die Kamera blickt und nebenbei noch mit den Händen an der Kurbel dreht«, dieses Motiv hatte sich überlebt. Stattdessen versuchte Schutt, wie er 1964 notierte, »den Menschen im natürlichen Größenverhältnis zu seinem Werk zu zeigen«, den Menschen. »der an seinen Aufgaben wächst«.

Erich Schutt kam 1931 in Vetschau zur Welt. Der Vater arbeitete als Eisenbahner, die Mutter stammte aus einem sorbischen Elternhaus. Bereits als Schüler begeisterte sich Erich für die Fotografie. Er absolvierte eine Lehre in einer Drogerie seiner Heimatstadt, entwickelte als Laborant Filme und Bilder und brachte die ersten eigenen Aufnahmen in Zeitungen unter.

Ausgewählte Fotos, die Schutt für die »Lausitzer Rundschau« gemacht hatte, wurden der Nachrichtenagentur ADN geschickt. »Erschien dann ein Bild aus dem Bezirk Cottbus im ›Neuen Deutschland‹ oder einem Auslandsjournal, war nicht nur Erich Schutt stolz, sondern auch die Chefredaktion«, weiß Matschie zu berichten.

Für einen Schutzumschlag von Erik Neutschs Roman »Spur der Steine« griff Buchgestalter Thomas Schleusing 1968 auf eine Gegenlichtaufnahme von Erich Schutt zurück. Für Landolf Scherzers »Spreewaldfahrten« von 1975 lieferte der Fotograf die Bilder. Außerdem porträtierte Erich Schutt sorbische Künstler, darunter den Schriftsteller Jurij Brezan.

Erich Schutt fotografiert immer noch: Dorffeste, die Eisenbahn und Sportveranstaltungen. Auf die moderne Digitaltechnik hat er allerdings nicht mehr umgerüstet.

Jürgen Matschie (Hrsg.): »Erich Schutt. Fotografien der Niederlausitz 1948-1991«, Domowina-Verlag, 159 Seiten, geb., 19,90 Euro

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