Dumpinglöhne am Airport

Ein Filmbericht zeigte, wie osteuropäische Arbeiter auf die Baustelle geschleust werden

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Endspurt auf der Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld. Über 5000 Arbeiter sind mit seiner Fertigstellung beschäftigt - manche zu Dumpinglöhnen, falls sie überhaupt Geld erhalten. Laut einem Fernsehbericht werden osteuropäische Arbeiter in ihren Heimatländern angeworben, ohne Kontrollen auf die Baustelle geschleust und weit unter Tarif bezahlt. Erst Anfang des Jahres machte der Fall von 60 ungarischen Arbeitern Schlagzeilen, die monatelang in Schönefeld schufteten und dann um ihren Lohn geprellt wurden. Als sie sich werten, wurde ihnen gekündigt.

Für Doritt Komitowski sind das keine Einzelfälle, wie die Flughafengesellschaft behauptet. »Auch wenn es schwer zu beweisen ist, aber das scheint schon ein Geschäftsmodell zu sein«, sagt die Frau vom Büro für entsandte Beschäftigte beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Seit Ende vergangenen Jahres häuften sich die Fälle. »Die Leute werden in ihren Ländern über Anzeigen oder das Internet angeworben, dann treten Vermittler auf den Plan, von denen sie nur Vornamen und Handynummer kennen. Und jeder versucht, an ihnen zu verdienen«, erklärt Komitowski das System.

So seien dem rumänischen Arbeiter, der den aktuellen Fall ins Rollen brachte, sieben Euro pro Stunde versprochen worden, als der Vermittler auftauchte, habe der für seine Dienste gleich zwei Euro pro Stunde abgezogen. Aber auch von den fünf Euro Stundenlohn habe der Mann bisher nichts gesehen. »Nach vier Tagen hat man ihn nach Hause geschickt - es gebe keine Arbeit mehr. Darauf wandte er sich an uns«, so Komitowski.

Der Mann war wie seine bis zu 100 Kollegen, zu denen nach seinen Aussagen außer Rumänen auch Letten und Bulgaren gehörten, zum Beseitigen von Bauschutt eingesetzt. Jeden Morgen sind sie mit einem Bus auf die Baustelle gefahren. Die Zugangskontrolle konnten sie offenbar ohne Probleme passieren, obwohl sich der Flughafen seines computergesteuerten Sicherungssystems brüstet und im Kampf gegen Schwarzarbeit Baustellenausweise mit Lichtbild ausgegeben hat. Die Osteuropäer hatten nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht einmal Arbeitsverträge. »Dank der Kette von Vermittlern wissen sie nicht, wer ihr Auftraggeber war«, sagt Komitowski. Einziger Hinweis ist die Warnweste mit der Aufschrift Gegenbauer, die der rumänische Arbeiter trug, wie auch im Fernsehbeitrag zu sehen war.

Von der Firma Gegenbauer war gestern keine Stellungnahme zu erhalten. Flughafensprecher Ralf Kunkel verwies auf die Tariftreuevereinbarungen, die alle Auftragnehmer abschließen müssten. Dass Busse praktisch ohne genaue Kontrolle auf die Baustelle gelangen können, begründete er mit befristeten Ausnahmeregelungen. Einzelne Unternehmen könnten ihre Mitarbeiter zeitlich begrenzt mit einem Sammelausweis auf die Baustelle bringen, bis die personalisierten Baustellenausweise ausgestellt sind. Aus Sicht des Zolls gibt es keine gravierenden Rechtsverstöße.

»Das unterscheidet sich nicht von anderen Baustellen dieser Größenordnung«, sagte der Sprecher der Bundesfinanzdirektion Mitte, Kay Seifarth. Derzeit liefen 14 Ermittlungsverfahren gegen Arbeitgeber und Beschäftigte wegen nicht gezahlter Sozialversicherungsbeiträge oder nicht angemeldeter Beschäftigung. Es habe auch schon Fälle gegeben, in denen der Mindestlohn der jeweiligen Branche nicht gezahlt wurde.

Im Falle der ungarischen Arbeiter hat der DGB erfolgreich gegen die Kündigungen durch eine bayerische Firma geklagt. Die Arbeiter haben jedoch nichts davon: »Die Firma meldete im März Insolvenz an«, so Komitowski.

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