Reichtum ist langweilig

Harry Belafonte über die Macht des Künstlers, Occupy Wall Street und sein Verhältnis zu Deutschland

Harry Belafonte ist Sänger (»Matilda«, »Banana Boat Song«), Schauspieler und Bürgerrechtler in einer Person. Seine gerade erschienene Autobiographie »My Song« liest sich spannend wie ein Geschichtsbuch des 20. Jahrhunderts. Der heute 85-Jährige erzählt darin von seinen Begegnungen mit Martin Luther King, John F. Kennedy, Fidel Castro, Marlon Brando, Frank Sinatra, Sammy Davis jr. und Bob Dylan. Olaf Neumann nahm in Hamburg an einem Presse-Gespräch mit Harry Belafonte teil.

Harry Belafonte

nd: Obwohl Sie selbst in bitterarme Verhältnisse hineingeboren wurden, gelang Ihnen eine unvergleichliche Weltkarriere. Erfüllt Sie das rückblickend mit Stolz?
Belafonte: Wissen Sie, ich habe unter der Armut gelitten, inzwischen bin ich ihr entkommen, aber mental habe ich sie nie hinter mir gelassen. Jeder, den ich kenne und mit dem ich zu tun habe, hat irgendeine Beziehung zur Armut. Ich sorge mich wirklich um die kleinen Kinder, die in Afrika oder Jamaika barfuß durch die Straßen laufen müssen. Oder um die jungen Männer, die ich in amerikanischen Gefängnissen besuche. Die kommen oft aus ärmlichen Verhältnissen und haben es eigentlich nicht verdient, im Gefängnis zu sitzen. Der Knast ist Amerikas Antwort auf die Wirtschaftskrise. In diesem Kontext ist die Armut stets vor meiner Haustür, meine besten Songs handeln von ihr.

Sie sagen, Optimismus sei der Treibstoff Ihrer Hoffnung. Worauf hoffen Sie?
Eine Sache, auf die ich anfangs geh...

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