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Napoleon und ich ...

  • Von Reinhard Renneberg, Hongkong, und JoJo Tricolor, Cherville
  • Lesedauer: 2 Min.
Vignette: Chow Ming
Vignette: Chow Ming

Seit Anfang 2010 sucht das Schweizer Institut für Herkunftsanalyse iGENEA in einem weltweit angelegten Projekt männliche Nachkommen der Familie Napoleon Bonapartes. Dazu wurden 47 Personen, die nach eigenen Angaben mit Napoleon verwandt sind, auf genetische Gemeinsamkeiten getestet und die DNA einer Haarprobe Napoleons analysiert. Das Ergebnis wurde mit einer Probe von Charles Napoléon Bonaparte, einem Nachkommen von Napoleons Bruder Jérôme, verglichen. Die Ergebnisse veröffentlichte man 2011 im »Journal of Molecular Biology Research«.

Anhand von 37 charakteristischen Erbgutabschnitten hat iGENEA die Herkunft Napoleon Bonapartes analysiert. Er gehörte der Haplogruppe E1b1b1c1 an. Diese entstand vor ca. 7000 Jahren an der östlichen Mittelmeerküste zwischen Ägypten und der Türkei, wo man sie noch heute am häufigsten findet. Außerdem gehören ca. 10 Prozent der aschkenasischen und sephardischen Juden dieser Haplogruppe an.

Das Profil Napoleons ist eher selten. Ähnliche Profile finden wir eben im Nahen Osten, Griechenland und Italien. Wann genau die Vorfahren Napoleons aus dem Nahen Osten nach Italien kamen, ist ungewiss. Sie könnten als phönizische oder griechische Händler bereits vor 2000 bis 3000 Jahren über das Mittelmeer gesegelt sein. Eine jüdische Abstammung Napoleons ist ebenfalls möglich.

Hinweise auf die Herkunft Napoleons liefert bereits die Familiengeschichte: Einer seiner Vorfahren, Francesco Buonaparte, wurde »il Mauro« genannt. Dessen Vorfahren lassen sich in die norditalienische Stadt Sarzana zurück verfolgen. Es ist also wahrscheinlich, dass arabische Vorfahren Napoleons mit der islamischen Expansion als Eroberer oder Händler nach Italien kamen.

Es gibt viele Legenden über uneheliche Kinder von Männern der Familie Bonaparte. iGENEA bietet erstmals die Möglichkeit, dies mit Hilfe von DNA-Tests zu überprüfen. Treue Biolumnen-Leser wissen: Das Y-Chromosom, das männliche Geschlechtschromosom, wird vom Vater an den Sohn weitergegeben. Alle Söhne der gleichen väterlichen Linie haben also das gleiche Y-Chromosom. Wenn zwei Männer im Y-Chromosom übereinstimmen, teilen sie sich einen gemeinsamen Vorfahren.

Die Profile der verschiedenen »Bonapartes« werden also miteinander verglichen. Diese Methode kann durch eine zunehmende Anzahl an Männern im »Vergleichspool« erweitert werden. So lässt sich zeigen, wer innerhalb der väterlichen Linie in welcher genetischen Distanz miteinander verwandt ist.

Zurück zur Überschrift. Eben traf eine E-Mail von iGENEA ein: »Hallo Reinhard, habe gesehen, dass DU die gleiche Haplogruppe wie Napoleon hast: E1b1b1! Nur die Untergruppe ist unterschiedlich. Mehr Infos: igenea.com/ napoleon.«

Nun hoffe ich, dass Oskar L. das ND gründlich liest: Sind auch WIR über Bonaparte verwandt?

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