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»Dino« geht, Proteste bleiben

Die RWE-Jahreshauptversammlung wird wohl wieder turbulent

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Zum Abschied als RWE-Boss kriegt Jürgen »Dino« Großmann noch einmal eine ungemütliche Jahreshauptversammlung geschenkt: Kohle- und Atomkraftgegner machen vereint mobil. Morgen werden Linke vor und Kritische Aktionäre in der Essener Grugahalle protestieren.

Eine Ära neigt sich ihrem Ende zu: Wenn sich Vorstände, Aufsichtsräte und Groß- wie Kleinaktionäre morgen zur Jahreshauptversammlung des RWE-Konzerns treffen, wird Jürgen Großmann zum letzten mal als Vorstandsvorsitzender dabei sein. Es war keine gute Ära: »Der letzte Dinosaurier« Großmann habe 2010 »wie kein anderer« für eine Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke gekämpft, befindet der »Tagesspiegel«. Unter Großmanns Ägide baute RWE seine Klimakiller-Kraftwerke im Rheinischen Braunkohlerevier aus - und Tausende Arbeitsplätze ab. Unter »Dino« Großmann pries der Essener Konzern seine AKW als Beitrag zum Klimaschutz an und ließ von seinem Manager Fritz Vahrenholt sowie dem Pseudowissenschaftler Nicola Scafetta bestreiten, dass der Klimawandel überhaupt eine reale Gefahr sei.

Eine etwas bizarre Doppelstrategie - aber ganz im Sinne jenes von Großmann mitinitiierten »Energiepolitischen Appells«, mit dem die Bundesregierung vor zwei Jahren unter Druck gesetzt wurde und der in Kurzfassung »weiter Kernenergie und Kohle« lautet.

Dass sich unter dem neuen RWE-Boss Peter Terium viel zum Besseren ändern wird - daran mag Markus Duffner, Geschäftsführer des Dachverbandes der Kritischen Aktionäre, nicht glauben. »RWE hat den Sprung zu den Erneuerbaren Energien verpasst und müsste nun massiv in Sonne, Wind und Wasser investieren. Doch Terium scheint mir niemand zu sein, der alles anders machen will.« Vielmehr befürchtet Duffner, dass RWE in anderen europäischen Ländern, darunter Großbritannien, wieder in Atomkraftwerke investieren werde. »Die warten nur auf einen günstigen Zeitpunkt«, glaubt der Konzernkritiker.

Wie seit vielen Jahren werden die Kritischen Aktionäre auch bei der diesjährigen Hauptversammlung für Unruhe im Saal sorgen: Mit wohl fundierten Reden und mit weitreichenden Anträgen an die Aktionärsversammlung. Insbesondere sollen Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlastet werden. Die Begründung: Dem Konzern sei kurzfristige Gewinnmaximierung wichtiger als das Klima, der schnelle Umstieg auf Erneuerbare Energien. So würde die RWE-Spitze »den langfristigen Wert des Unternehmens aufs Spiel« und auf »ein Abstellgleis der Energiewende« setzen. Zu Wort kommen werden Anwohner der rheinischen Braunkohlekraftwerke und Vertreter von Bürgerinitiativen. Stimm- und Rederecht besitzen die Konzernkritiker, weil sie RWE-Aktien erwarben.

Die Kritischen Aktionäre verfolgen nur in Teilen einen kapitalismuskritischen Kurs - das lässt sich von »RWE unplugged« nicht behaupten. »Ausstöpseln« will das Bündnis linker Kohle- und Atomkraftgegner RWE, weil »das Problem die Strukturen einer kapitalistischen Energieversorgung in Form von Großkonzernen sind«, so Sprecherin Gina Geller. RWE und Co. stünden einer wirklichen Energiewende im Wege. Die Machtbasis der großen Energiekonzerne seien schließlich deren riesige Grundlastkraftwerke auf fossiler oder nuklearer Basis.

Bereits heute startet in Essen ein Protestcamp in Sichtweite der Grugahalle. Morgen wollen die Ausstöpsler »bunt, kreativ, aber deeskalierend« (Geller) den Ablauf der Hauptversammlung stören. Die Organisatoren gehen davon aus, dass sich rund 150 bis 200 Personen an den Protesten beteiligen werden. In etwa so viele waren es bei entsprechenden Aktionen im Jahr 2011. Damals seien die Proteste »ein Anfang für die Zusammenführung der Bewegungen gegen Atomkraft und Kohle« gewesen, betont Gina Geller. Gemeinsam wollen sie sich gegen diejenigen quer stellen, »die an der Naturzerstörung und Gesundheitsgefährdung von RWE mitverdienen«. Die Konfrontation scheuen die Kritiker nicht: »Es kann ganz schön eng werden, wenn die Aktionäre aus der U-Bahn Station strömen.«
rweunplugged.blogsport.eu
www.kritischeaktionaere.de

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