Chodorkowski-Mythos entschleiert

Viktor Timtschenko beleuchtet Aufstieg und Fall des vermeintlichen Putin-Opfers

  • Von Detlef D. Pries
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Nein, ein »gewöhnlicher« Verbrecher ist er nicht! Michail Chodorkowski, Russlands meistbeschriebener Strafgefangener, ist ein durchaus ungewöhnlicher Krimineller. Aber darf man das überhaupt sagen?

Für Ljudmila Alexejewa, die »Grand Dame« der russischen Menschenrechtsbewegung, ist Michail Chodorkowski zweifelsfrei ein politischer Gefangener. Viktor Timtschenko, Ukrainer aus Markleeberg, hatte die Chefin der Moskauer Helsinki-Gruppe um eine mit Fakten belegte Begründung gebeten. Doch Alexejewa beschied ihn: »Ich kann Ihnen keine Details zum Verfahren liefern, die kenne ich nicht.«

Die ehrwürdige Dame ist nicht die einzige, die Russlands berühmtesten Strafgefangenen als Opfer staatlicher Willkür darstellt. Chodorkowski wurde schon mit Andrej Sacharow verglichen, mit Nelson Mandela und Mahatma Gandhi. Fehlte nur noch ein Tipp an das Nobelpreiskomitee in Oslo.

Nur haben sich offenbar die wenigsten derer, die den einst reichsten Mann Russlands zum »Gewissensgefangenen« Wladimir Putins erklären, mit besagten »Details« beschäftigt. Weil das zu mühsam wäre? Oder weil Chodorkowski als politischer Häftling besser in ihr Russlandbild ...

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