Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Antrag gegen Pablo Neruda

Chemnitz: Schulstreit

Die Pablo-Neruda-Grundschule im Chemnitzer Stadtteil Kaßberg könnte ab Sommer nicht mehr nach dem berühmten chilenischen Dichter und Literaturnobelpreisträger benannt sein und fortan nur noch »Grundschule auf dem Kaßberg« heißen. Über einen entsprechenden Antrag der Schulkonferenz muss der Stadtrat nächsten Mittwoch entscheiden. Gegen die Umbenennung regt sich jetzt allerdings Widerstand von Kulturschaffenden. In einem Offenen Brief an den Stadtrat zeigen sich die Unterzeichner, unter ihnen u.a. der Chefdramaturg und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Landesbühnen Sachsen, Karl-Hans Möller, und der ehemalige Schauspiel-Direktor Hartwig Albiro »verwundert und irritiert« über das Vorhaben der Schule. »Die Benennung einer Schule nach einem der bedeutendsten Dichter dieser Erde, ist nicht nur eine Würdigung des Künstlers, sondern sendet auch einen Reiz aus an die, welche täglich in die Schule hinein oder an ihr vorbei gehen«, heißt es in dem am Montag verschickten Schreiben.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Schule versucht, den Namen des Dichters, der bei den Parlamentswahlen 1945 als unabhängiger Kandidat für die Kommunistische Partei Chiles kandidierte und kurze Zeit später dieser auch beitrat, zu tilgen. Bereits 2002 und 2003 hatte sie eine Namensänderung beantragt, scheiterte damit allerdings. Die Schulleitung selbst begründet den neuerlichen Vorstoß damit, dass Grundschüler heutzutage keinen Bezug mehr zu dem Namensgeber hätten. Neruda habe sich mit seinen politischen Werken hauptsächlich an erwachsene Leser gewandt. Dieser Sichtweise widersprechen die Unterzeichner des Offenen Briefs. Gerade für Grundschüler könne es spannend sein, »mit Hilfe von Landkarten, Globen, Bildern und Geschichten« sich dem Leben und Werk des Dichters zu nähern. Zum Beispiel: »Wo liegt Chile? Warum gab es in Spanien einen Krieg der Bürger? Was hat das mit Faschismus zu tun - der war doch in Deutschland?« Und sie fragen: »Ist das wirklich eine unzumutbare Herausforderung für Eltern und Lehrer?«

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln