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»Selbst bei intelligenten Menschen bleibt etwas hängen«

Sebastian Schulze, Mitinitiator der Kampagne »Alle gegen Bild«, über die Macht und die Strategien des Boulevardblatts

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nd: Über Ihre Initiative kann man Widerspruch gegen die Zustellung der Jubiläums-»Bild« einlegen. Was werfen Sie der Zeitung vor?
Schulze: Die Ankündigung, »Bild« an alle Haushalte zu verschicken, ist ein Teil einer Strategie, die diese Zeitung betreibt, um den Eindruck zu erwecken, eine legitime Stimme der Bevölkerung zu sein. Was sie betreibt, ist nicht Journalismus. Sie versucht, mittels politischer Kampagnen Einfluss zu nehmen.


Tun das nicht auch andere Zeitungen?
Die »Bild«-Zeitung drückt ihren Standpunkt durch, ohne auch nur anzudeuten, dass es andere Meinungen und andere Faktenlagen geben könnte. In der Debatte um die Griechenland-Krise hat »Bild« eine extrem nationalistische, ausländerfeindliche Kampagne gefahren. Dazu kommen die Hetze gegen sozial Schwache und Migranten sowie Sexismus.


nd: Warum richtet sich Ihre Aktion explizit gegen die »Bild«-Zeitung?
»Bild« ist nicht das einzige problematische Presseerzeugnis in diesem Land, aber das größte. Das Blatt wirbt trotz Auflagenrückgangs damit, dass es täglich zwölf Millionen Leser erreicht. Das ist nicht zu vergleichen mit anderen Presseerzeugnissen. Ihre Macht nutzt die Zeitung gnadenlos aus.

Manche behaupten, die Zeitung nicht ernst zu nehmen und als eine Art postmoderne Satire-Zeitung zu lesen.
Das ist eine Argumentation, der man häufig begegnet. Es gibt Leute, die die »Bild«-Zeitung versteckt kaufen und sich damit nicht blicken lassen wollen. Wenn man sie dann darauf anspricht, reagieren sie so. Das sind Ausflüchte. Ich befürchte, dass selbst bei intelligenten Menschen etwas hängen bleibt, wenn sie täglich diese »Zeitung« konsumieren. Wer keine Kritik an diesem Journalismus hat, ist nicht davor gefeit, ein Opfer seiner Manipulationsversuche zu werden.


Meinen Sie, das Ziel von »Bild«, am 23. Juni jeden deutschen Haushalt zu beliefern, wird durch Ihre Kampagne gefährdet?
Der Springer-Konzern kann schon jetzt nicht mehr behaupten, dass jeder deutsche Haushalt erreicht wird, so viel steht fest. Der maximale Erfolg wäre, wenn diese Sonderausgabe gar nicht erst produziert wird. Aus Angst davor, dass die imageträchtige Aktion scheitert und der logistische Aufwand, der infolge unserer Gegenaktion entsteht, zu groß ist.


Wie kann man sich wehren, wenn man der Springer-AG die Zustellung der Gratis-Ausgabe untersagt hat und am 23. 6. trotzdem eine Zeitung im Briefkasten vorfindet?
»Bild« begeht damit einen Rechtsbruch. Man kann dann kostenpflichtig eine einstweilige Verfügung erwirken. Es gab auch Anregungen, ob wir nicht ein Musterklageschreiben entwerfen können, mit dem man massenhaft rechtlich gegen eine Zustellung vorgehen kann.


Besteht nicht die Gefahr, dass durch Ihre Gegenaktion ein Werbeeffekt für die Zeitung entsteht?
Die Gefahr sehen wir nicht, denn: Was könnte ein größerer Werbeeffekt für »Bild« sein, als an einem Tag jeden Menschen in Deutschland zu erreichen?



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