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BP vollzog den Solarausstieg

Pleiten, Fusionen, regionale Machtverschiebungen - die Zellenproduktion hat sich nach China verlagert

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Die Solarzellenindustrie befindet sich im Umbruch. Während chinesische Hersteller nach oben streben, sind Hersteller in Europa und Nordamerika auf dem absteigenden Ast.

»Beyond Petroleum« (jenseits des Öls) - unter diesem Slogan startete BP zur Jahrtausendwende eine Imagekampagne, bei der man sich auch ein neues Logo in Gestalt einer stilisierten gelb-grünen Sonne zulegte. Die Solarsparte war Kern einer neuen Strategie, bei der die erneuerbaren Energien eine zen-trale Rolle spielen sollten. Tatsächlich war der britische Ölkonzern lange einer der Marktführer bei Solarzellen. Doch zuletzt liefen die Geschäfte schlecht - zum Jahreswechsel beschloss die Konzernführung den Ausstieg.

Dabei sind die Wachstumsraten in der Solarzellenproduktion nach wie vor beeindruckend. Der Markt wuchs in der vergangenen Dekade Jahr für Jahr um mindestens ein Drittel. 2011 gab es trotz heraufziehender Krise ein Plus von 36 Prozent auf eine Gesamtstromleistung von knapp 37,2 Gigawatt.

Gerade das rasante Wachstum lockte zahlreiche neue Anbieter auf den Markt, vor allem in Asien. Die vorhandenen Kapazitäten sind deutlich höher als die Produktion - sie werden auf rund 57 Gigawatt geschätzt. Angesichts dessen können nur Hersteller überleben, die extrem niedrige Preise bieten können und vor allem finanziell einen langen Atem haben.

Hier ist längst China das Nonplusultra. In nur zehn Jahren entstand dort eine Solarbranche mit rund 400 Firmen. 2011 kamen vier der fünf größten Zellproduzenten aus dem Reich der Mitte. Einige Anbieter schießen mit weit überdurchschnittlichen Wachstumsraten nach oben. Der Aufstieg wird dadurch erleichtert, dass es sich bei der Solarzellenproduktion um eine eher anspruchslose Massenfertigung handelt - wer genug Kapital hat, die Maschinen zu kaufen, die meist aus Deutschland kommen, kann loslegen. Mit modernen Anlagen lässt es sich natürlich auch günstig produzieren. Die niedrigen Löhne in China sind eher zweitrangig; sie machen bei Solarzellen bestenfalls zehn Prozent der Kosten aus. Wichtiger ist, dass sich die chinesischen Hersteller billig mit Rohstoffen eindecken können. Außerdem geben staatliche Banken in China den größeren Herstellern scheinbar unbegrenzt und zinsgünstig Kredit, was in Europa und Nordamerika ganz anders aussieht. Und so können die chinesischen Hersteller die derzeitige Durststrecke durchstehen, obwohl es auch ihnen alles andere als gut geht. Allein der weltgrößte Hersteller Suntech Power machte im vergangenen Jahr einen Verlust von rund einer Milliarde Dollar.

Vergleichbare Umbrüche hat es auch in anderen Industriezweigen gegeben - im Solarmarkt laufen sie wie im Zeitraffer ab. BP hat die Lust verloren. Eine weitere frühere Top-Adresse, der japanische Elektronikriese Sharp, rangiert unter ferner liefen. Es häufen sich Insolvenzen auch größerer Hersteller, nicht nur in Deutschland. Im vergangenen Jahr traf es den US-Hersteller Solyndra, auch in China machen kleinere Hersteller schlapp. Andere Firmen legen einzelne Produktionslinien zeitweilig oder ganz still wie First Solar in Frankfurt (Oder). Zwar gibt es noch europäische und nordamerikanische Unternehmen auf den vorderen Plätzen - doch auch sie produzieren vorrangig in Asien.

Der letzte größere Hersteller, der ausschließlich in Europa und Nordamerika produziert, ist SolarWorld (Bonn). Dieser hat in den USA Klagen gegen die Dumpingpreise chinesischer Hersteller initiiert. In einer ersten Entscheidung verhängte das US-Handelsministerium Ende März Strafzölle wegen unfairer Subventionen - von durchschnittlich nur 3,6 Prozent, was kaum ins Gewicht fällt.

Die Entwicklung wird dies nicht aufhalten können. Pleiten, aber auch Fusionen und Übernahmen dürften im Laufe des Jahres weitergehen, zumal in Europa die Errichtung neuer Photovoltaikanlagen immer weniger gefördert wird. Gleichzeitig wird China erstmals selbst zum großen Absatzmarkt. Hier könnten dann auch Unternehmen aus der alten Welt ein Stück vom Kuchen abbekommen.

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