Systeme vertragen Menschen nicht

Autor Thomas Martin über Freiheit, Sinn und Partisanennester

Uraufführung an Frank Castorfs Volksbühne, heute Abend: »Die Patriotin« (Regie: Gero Troike) - ein Stück des Hausautoren der Volksbühne, Thomas Martin. Der Schriftsteller und Dramatiker, geboren 1963 in Berlin, veröffentlichte Prosa, Lyrik und Essays sowie Publizistik.

Thomas Martin

nd: Thomas Martin, das Monatsmotto der Volksbühne im April: »Sterben ohne Grund ist sinnlos.« Ist Sterben für einen politischen Grund nicht noch sinnloser? Wenn man die Endlichkeit und Einmaligkeit des einzelnen Lebens betrachtet? Vorsicht vor Sinn! - ist das nicht der Rat des 20. Jahrhunderts an das 21.?
Martin: Das Motto hat mit meinem Stück zu tun, »Die Patriotin«. Da opfert eine Frau ihr Leben für eine Sache, die ihr Mann, ein Putschist, nicht ausführen konnte. Er bringt sich aus Ehrbegriffen um. Sie bleibt zurück mit dem Versprechen, ihm zu folgen. Dann setzen Zweifel ein. Die Zweifel setzt sie schließlich um in eine Tat, welche die ihres Mannes übersteigt. Mich interessiert, auch in Bezug auf Brechts Lehrstückversuche, die Frage, wofür kann man sein Leben geben - heute? Gibt es noch eine Idee, für die ich zu sterben bereit bin? Da kommt man zwangsläufig weg von der Politik ins Private. Man steht vor dieser Frage mit sich allein. V...

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