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Getrübte Aufstiegsfeier

Eintracht Frankfurt ist wieder erstklassig - doch es bleiben Probleme mit den Finanzen, dem Trainer und Fans

  • Von Roland Leroi und Ulrike John, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Eintracht Frankfurt ist zurück in der Fußball-Bundesliga, doch die Aufstiegsfeier war nicht ungetrübt: Einige Fans randalierten, die finanzielle Zukunft ist nicht rosig - und Trainer Armin Veh zögert noch mit der Vertragsverlängerung.

Die »Mission Aufstieg« hat Eintracht Frankfurt mit Bravour gemeistert, aber es sind noch einige Großbaustellen offen. »Ich brauche eine Perspektive, das ist die Triebfeder eines jeden Trainers«, sagte Eintracht-Coach Armin Veh. Sichtlich gelöst war der 51-Jährige zwar, als die Hessen nach einem Jahr in der 2. Liga mit einem souveränen 3:0-Erfolg bei Alemannia Aachen die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus perfekt machen konnten. Doch bei der vom Verein anvisierten Vertragsverlängerung zaudert Veh weiter. Denn dem Klub aus der Bankenmetropole fehlt das große Geld.

An diesem Donnerstag will sich Veh mit dem Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Bruno Hübner zusammensetzen, um die Zukunft zu erörtern. »Ich bin immer Optimist und habe schon positive Signale von ihm empfangen«, sagte Hübner am Rande der Aufstiegsfeier in Aachen. Veh erklärte derweil, dass er sich einfach noch nicht entschieden habe. Er wünscht sich vor allem die finanziellen Möglichkeiten, einen starken Kader zusammenstellen zu können, der in der Bundesliga mitmischt ohne ständig in Abstiegsgefahr zu geraten. »Immer nur 15. werden, ist kein Anspruch für einen Verein wie Eintracht Frankfurt. Das geht vielleicht in Augsburg«, so Veh.

Mit 20 Millionen Euro hatte die Eintracht den höchsten Zweitliga-Etat in dieser Saison, er soll aber »nur« um 4 bis 5 Millionen aufgestockt werden. Denn das Eigenkapital schrumpfte im vergangenen Jahr um zehn auf knapp sechs Millionen. Den Aufstieg hat sich der Verein teuer erkauft. »Wir haben uns nicht nur körperlich Mühe gegeben, sondern vor allem sehr viel Geld in die Hand genommen. Alles Geld, das uns zur Verfügung stand«, erklärte Bruchhagen.

Veh habe Verständnis für die Klubverantwortlichen. »Das teure Stadion ist wie ein Klotz am Bein. Das ist ein Problem«, erläuterte der Trainer. Sein Jobverständnis sei es aber, »Ziele und Freude zu haben, und das ich die Leute begeistern kann.« Um seinen eigenen Kontostand gehe es ihm nicht: »Ich bin in der schönen Lage, dass ich das Geld nicht brauche.«

Ein Jahr nach dem Abstieg atmeten Bruchhagen und Hübner tief durch: »Wir waren ja schon der Aufstiegsfavorit, als wir noch gar keine Mannschaft hatten. Schön, dass wir jetzt durch sind«, meinte Hübner.

Die Stimmung dämpften viele hundert Fans, die Feuerwerkskörper auf das Spielfeld warfen und nach dem Abpfiff aus dem Frankfurter Fanblock auf den Rasen stürmten. Polizisten stellten sich ihnen in den Weg, die Spieler feierten unter dem Schutz der Sicherheitskräfte. »Es hätte ein so schönes Fußballfest sein können. Wenn mir jetzt jemand klarmachen will, dass diese Pyrotechnik Bestandteil des Fußballs sein soll, lache ich mich tot«, schimpfte Bruchhagen, der bei einem Fernsehinterview in die Kabine flüchtete: »Ich freue mich total, aber ich möchte jetzt vom Platz gehen.«

Frankfurter Anhänger beschädigten 200 Quadratmeter Rasen, rissen Sitzschalen aus den Verankerungen und demolierten Fluchttore. Am Ende entstand ein Sachschaden von 75 000 Euro.

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