»Ein Hauch von Leben«

Erwin Strittmatters »Tinko«

  • Von Horst Nalewski
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.
Josef Sieber und Max Reichhoff (Tinko) im DEFA-Film

Vielleicht führt die derzeitige Debatte um Erwin Strittmatters Biografie doch zum Werk zurück. Die Debatte: Was wusste er, als Bataillonsschreiber einer Polizeieinheit, die schließlich der SS angegliedert war, von ihren Untaten, gar Verbrechen? Warum verschwieg er es, sprach zumindest nicht direkt über diese Jahre?

Dass Strittmatter an einer Last getragen hat, unbewusst-bewusst, - ein Trauma -, wird für den erkennbar, der jetzt seine Interviews, Tagebuchaufzeichnungen liest: »Lebenszeit. Ein Brevier«, »Die Lage in den Lüften. Aus Tagebüchern«, »Wahre Geschichten aller Ard(t)«, »Selbstermunterungen«. Da finden sich Qual-Sätze: »Wortbrüchig vor mir selber dazustehen, wird mir von Jahr zu Jahr peinlicher.« Und: »Eine der zersetzenden menschlichen Leidenschaften ist der Selbstbetrug.«

Strittmatters Lebensbewältigung: das Schreiben. Nach »Ochsenkutscher« (1951), »Katzgraben« (1953) verfasste er »Tinko« (1955). Der Roman erschien im K...


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