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Ein arm Ding

Margot Käßmann / Die 53-jährige Theologin ist jetzt Botschafterin der EKD für Luther

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Person: Ein arm Ding

»Es ist ein arm Ding ein Weib. Die größte Ehre, die es hat, ist, dass wir allzumal durch die Weiber geboren werden und auf die Welt kommen.« Immerhin, diese »größte Ehre« wurde ihr mehrfach zuteil: Allerdings sind alle vier Kinder, die Margot Käßmann zur Welt brachte, Töchter und somit »arm Ding«. Dass ausgerechnet eine Frau, diese Frau, ihn und seine Ideen bekannter machen soll, hätte der eingangs Zitierte wohl als ziemliche Zumutung empfunden: Martin Luther.

1517 hatte der abtrünnige Mönch seine Thesen wider das Papsttum publiziert. Auf der Bugwelle, die das deutsch-protestantische Kirchenschiff mit Kurs auf den 500. Jahrestag dieses Ereignisses vor sich herschiebt, reitet seit gestern auch die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

In Berlin wurde Käßmann als Luther-Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum 2017 berufen. Fünf Jahre lang soll sie Werk und Wirken Luthers unters Volk bringen. Zwar sieht sie den ruppigen Reformator als Vorbild, ruft aber gleichwohl dazu auf, »einen zeitgemäßen klaren und das heißt auch: kritischen Blick auf den Menschen, den Reformator und den Politiker Luther zu werfen«.

Dieser kritische Blick dürfte sich indes in Grenzen halten. Denn wie die katholische Kirche mit ihren Dogmen, so steht und fällt die evangelische mit Luthers Lehren. Wie problematisch diese sind, weist der Religionswissenschaftler Hubertus Mynarek in seinem neuesten Buch »Luther ohne Mythos« nach. Die Folgen von Obrigkeitsfetischismus, Judenhass, menschlicher Selbstverachtung, fatalistischer Schicksalsergebenheit sind wohl keine Ruhmesblätter 500-jähriger postreformatorischer Kirchenhistorie.

Mithin entspricht Käßmann nicht nur als emanzipierte Frau, sondern auch in ihren politischen Sichten kaum dem Bild des Reformators, nach dem dieser seine Anhänger formen wollte. Exemplarisch dafür ist ihr Löcken wider den Stachel der laut Luther von Gott gesetzten Obrigkeit, so bei der Verurteilung des Afghanistankriegs.

Aber die promovierte Theologin wird zweifellos reichlich Vorzeigbares bei Luther finden und kräftig in Martins Horn stoßen. Genug Zeit dafür hat sie ja.

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