Preisgekrönt und zerstört

Magdeburger Bürgerverein engagiert sich gegen den Verfall der örtlichen Freiluftbibliothek

  • Von Lena Riemann, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

Seit seiner Eröffnung vor drei Jahren wird die preisgekrönte Magdeburger Freiluftbibliothek »Lesezeichen« von Vandalen verschandelt. Engagierte Bürger und Architekten wollen das Problem lösen - und hoffen auf die Hilfe der Stadt.

Magdeburg. Eingeschlagene Scheiben, Graffiti an den Wänden, leere Schnapsflaschen auf dem Boden: Das Magdeburger »Lesezeichen», eine preisgekrönte Mischung aus Freiluftbibliothek und Veranstaltungsbühne, gibt ein trauriges Bild ab. 2009 war es im Magdeburger Stadtteil Salbke eröffnet worden, direkt an einer Hauptstraße mit vielen renovierungsbedürftigen Häusern. Es sollte mehr Kultur in eine triste Gegend bringen, in der schon seit vielen Jahren Häuser leerstehen. Die Vorstellung der Architekten: Unter freiem Himmel leihen sich Menschen aus offenen Fächern Bücher aus, treffen andere Leser, lauschen Musik.

Die Realität sieht anders aus: »Erst kürzlich gab es wieder einen Vandalismus-Anschlag«, erzählt Rainer Mann vom Bürgerverein Salbke, Westerhüsen, Fermersleben e.V. Dabei seien Vitrinen eingeschlagen, Bücher zerrissen und auf dem Boden verteilt worden. Täter seien Jugendliche, die den Platz gerne als Treffpunkt für Trinkgelage nutzten und dabei verwüsteten. Dagegen wollen die Bürger und die Architekten des »Lesezeichens« jetzt vorzugehen. Doch »dazu brauchen wir die Unterstützung der Stadt», sagt Mann.

Nun soll mehr Kultur auf die Veranstaltungsbühne kommen, um den Platz »zu besetzen«. Geplant sind beispielsweise Konzerte - mehr als die Musikschule oder örtliche Musiker leisten können. Dazu braucht der Verein aber finanzielle Unterstützung. Die wäre auch nötig für eine digitale Vision des Vereins. Jugendlichen sollen z.B. über Bluetooth Hörbücher zur Verfügung gestellt werden. Die Leipziger Architekten Stefan Rettich und Bert Hafermalz kämpfen zusammen mit den Bürgern um ihr Werk. Sie heimsten viele Preise für das »Lesezeichen« ein, erregten internationales Interesse. Wer sich die preisgekrönte Architektur ansehen will, solle schließlich nicht drei Jahre nach der Eröffnung ein Schlachtfeld vorfinden. Zudem solle eine feste Bibliothek, die die Freiluftbibliothek aus ihrem Festbestand von über 40 000 Büchern bestückt, wieder in das gegenüberliegende Haus ziehen. Damit könne man den Platz besser überwachen, da die nähere Umgebung nicht bewohnt sei. Dazu müsste das baufällige Haus saniert werden.

Laut Stephan Herrmann vom Stadtplanungsamt Magdeburg hat es bereits erste Gespräche mit der Hauseigentümerin gegeben. Ein Antrag auf Förderung sei gestellt. Hier warte man auf Bewilligung durch das Land. Die Stadt plant außerdem Vergünstigungen für Eigentümer, die in Salbke ein Haus sanieren wollen. Zur Kulturförderung und zur Unterstützung bei der Technikausstattung des Salbker »Lesezeichens« äußerte sich die Stadt allerdings nicht.

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