Von Norbert Suchanek, Rio de Janeiro

Solarstrom zur Fußball-WM

Brasilien entdeckt langsam die Kraft der Sonne

Auch in Brasilien soll Solarstrom allmählich in den Markt eingeführt werden. Das Potenzial wäre groß.

Zwei Jahre vor der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien hat die Regierung die Kraft der Sonne entdeckt und beginnt die Erzeugung von Solarstrom verstärkt zu fördern. Hauptprojekt ist die Ausrüstung von WM-Stadien mit Solardächern. Deutsche Unternehmen liefern die Technologie und die deutsche Regierung stellt die Finanzierung bereit.

Seit vergangenem März erzeugt das Estádio Metropolitano de Pituaçu von Salvador de Bahia Solarstrom. Das erste Solarkraftwerk auf dem Dach eines Fußballstadions in Lateinamerika sei mit Unterstützung des brasilianischen Energieversorgers Coelba und der Regierung des Bundesstaates konzipiert worden, erklärt der Betreiber, ein Joint Venture der Gehrlicher Solar AG und der brasilianischen Ecoluz Participações S.A.

Neue Regelungen sollen künftig auch die Einspeisung von Solarstrom ins brasilianische Netz vereinfachen. »Endlich hebt der brasilianische Photovoltaik-Markt ab. Bei Stromtarifen, die mit denen in Deutschland vergleichbar sind, und mit 50 bis 120 Prozent höheren Sonneneinstrahlungswerten war es schon lange absehbar, dass dieser Markt kommen muss«, meint Stefan Krauter von der Universität Paderborn und Initiator der jährlich in Rio stattfindenden Fachkonferenz »World Climate & Energy Event«. Noch kostet die Megawattstunde Sonnenstrom in Brasilien etwa 300 Reais (rund 125 Euro), drei Mal so viel wie Strom aus den großen Wasserkraftwerken. Ziel ist, die Kosten in den nächsten Jahren kontinuierlich zu senken, wie es bereits bei der Windkraft geschehen ist.

Wer die neue Solarpolitik Brasiliens als energiepolitische Kehrtwende deutet, liegt allerdings falsch. Die Regierung unter Präsidentin Dilma Rousseff hält weiter an den Ausbauplänen der Kernkraft und am Bau neuer, umstrittener Riesenwasserkraftwerke wie Belo Monto fest. Die sich weiter durch ganz Brasilien inklusive Amazonien fressende Bergbauindustrie sowie die stromintensiven Aluminiumfabriken lassen sich nicht mit Solarzellen betreiben. Die Nutzung thermischer Solaranlagen zur Erzeugung von Warmwasser fristet ein Schattendasein im Sonnenland. Und das, obwohl der Einsatz von Solarkollektoren sich längst auch hier rechnet und eine der sinnvollsten Maßnahmen zur Stromeinsparung wäre. Tatsächlich erhitzt der Durchschnittsbrasilianer bis heute sein Wasser zum Duschen mit teurem Strom aus der Steckdose, obwohl dies bekannterweise mit hohen Energieverlusten einhergeht.

Laut dem »nationalen Plan für Klimaänderung« sind die elektrischen Duschen verantwortlich für fünf Prozent des brasilianischen Stromverbrauchs, so der Amazonas- und Klimaforscher Phillip Fearnside.. »Das ist viel mehr als das Wasserkraftwerk Belo Monte jemals erzeugen kann.« Würden alle Duschen mit Sonnenkollektoren ausgestattet, könnte das Land auf das umstrittene Staudammprojekt und die daraus resultierende Zerstörung des Rio Xingu verzichten.

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