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Kleinkunst zum Anfassen

Die Reihe »Spotlights« im Wintergarten wartet mit Jazz, Literatur, Chanson und Kabarett auf

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.

Jemanden, der zaubert, sucht sie in einem ihrer letzten Titel. Sie selbst hat da, nach fast zwei Stunden, längst die Zuschauer im Wintergarten bezaubert. Im weißen Langen war Ella Endlich, das Haar aufgesteckt, drapiert mit einer weißen Blume, anfangs die seitliche Treppe zur Bühne heruntergeschwebt, hatte vom Tanz in einer Sommernacht gleich neben dem Funkturm gesungen. Eher schüchtern wirkt sie, bleibt das auch abendlang. Keine raffinierte Publikumsfängerin, sondern eine, die ganz auf den Reiz ihrer Stimme vertraut.

Entblößt von all den Tricks aus dem Tonstudio, begleitet hier einzig von zwei Musikern auf Hammond-Orgel, Gitarre, Kontrabass, Posaune, je nach Erfordernis. Das gibt der Song vor. Auch Ellas Moderation fällt unter die Rubrik schüchtern bis zurückhaltend, baut Spontanvorlagen nicht aus. Dafür singt sie aus tiefem Herzen, intensiv, zurückgenommen und ohne Festival-Grandezza wie Hall, Dopplung, Orchestersound. Sie setzt auf sensible Texte in subtiler Ausformung, und von beidem serviert sie reichlich.

Von der Sehnsucht nach dem Broadway erzählt sie, dem Aufenthalt in New York, der Rückkehr nach Europa. Jazzig swingend fällt der Song dazu aus. Stark das Lied, das sie schrieb, nachdem sie in Hesses dramatisiertem »Steppenwolf« auf der Hamburger Bühne stand: über die Sehnsucht nach dem Glück, um das sie sterben würde. Doch sie, gebürtig aus Weimar, frühes Popsternchen, dann in München zur Musicalsängerin ausgebildet, kann auch anders. Zweimal in diesem Programm huldigt sie Hildegard Knef, der mehr Erfolg in Amerika beschieden war: Mit »Ich zieh mich an und langsam aus« wird sie berlinernd kesse Göre, später mit »Träume heißen du« ausdrucksstarke Dame. Auch anderen Künstlern erweist sie ihre Reverenz.

Der nachwirkende Abend dieses Talents mit Langzeitgarantie ist eingebettet in eine neue Reihe, die an den bislang spielfreien Montagen und Dienstagen ins Haus locken möchte. »Spotlights« heißt die pfiffige Idee, die auf große Namen ebenso setzt wie auf hierzulande noch weniger bekannte Künstler. So erweitert sich das Repertoire, fort von der reinen Varieté-Bühne, hin zum Mehrsparten-Theater.

Was mit Jazz der Schwedin Viktoria Tolstoy schon im Januar begann, ließ Chansons mit Katja Ebstein folgen, eine Lesung mit der Impresario-Legende Fritz Rau, Kabarett der Leipziger Pfeffermühle, Chansons mit Hanna Schygulla und Judy Winter. Prominenz versprechen auch andere »Spotlights«-Ausgaben. Jocelyn B. Smith brilliert mit Jazz und Soul, Eleonore Weisgerber mit Chansons als Femme fatale, Hellmuth Karasek liest aus seinem Buch. Als nächste illustre Gäste dieser weit gespannten Serie sind genannt: Alfred Biolek und Michael Mendl, Etta Scollo und Elisabeth Trissenaar, Meret Becker und Dieter Thomas Heck.

Größen aus Jazz, Literatur, Kabarett, Chanson zum Anfassen nah, so umreißt sich das Konzept der »Spotlights« im Wintergarten.

Wintergarten, Potsdamer Str. 96, Kartentelefon (030) 58 84 33, www.wintergarten-berlin.de

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