Werbung

Wo sind die Dicken?

  • Von Reinhard Renneberg, Hongkong und JoJo Tricolor, Cherville
  • Lesedauer: 3 Min.
Vignette: Chow Ming
Vignette: Chow Ming

Schon der Beamte bei der Einreise in die USA wiegt wohl fast eine Tonne ... Aber in Asien sehe ich nur wenige übergewichtige Menschen. Wie das? Die Lebensweise, das Essen - Biochemie!

Vor Kurzem fiel mir das Büchlein von Naomi Moriyama »Japanese Women don’t get old or fat« in die Hand. Natürlich war ich neugierig, denn ich versuche, die asiatische Lebensweise bewusst in meinen Alltag zu integrieren. Sollte hierin tatsächlich das Geheimnis gelüftet werden, warum japanische Frauen nicht altern und nicht dick werden? Seit 25 Jahren halten sie den Weltrekord bei der Lebenserwartung: 86,4 Jahre. Auch die Männer werden älter als anderswo. Was können wir Langnasen daraus lernen?

Ein wenig skeptisch (Berufskrankheit) fand ich neben leckeren Rezepten nützliche Tipps für ein langes gesundes Leben, die die Autorin von ihrer Mama hatte. So bevorzugen die Japaner täglich frisch zubereitete und schonend gegarte Mahlzeiten, bestehend aus Fisch, Gemüse, Reis, Eiern, Obst und grünem Tee. Keine Konserven! Sie verbrauchen allerdings fast zehn Prozent der weltweiten Fischfänge bei nur zwei Prozent der Weltbevölkerung, stattliche 75 kg pro Person und Jahr. Die damit verbundene hohe Dosis an Omega-3-Fettsäuren könnte schon eine Erklärung dafür sein, warum sie so lange bei guter Gesundheit leben. Gemüse wie Brokkoli, Weißkohl, Grünkohl, Blumenkohl und Rosenkohl verzehren sie fünfmal mehr als die Amerikaner. Alle Asiaten in Fernost legen größten Wert auf Frische und Saisonalität. Die Supermärkte sind geradezu Kathedralen der Frische. Verschiedene Garungsarten und Öle sind gesund fürs Herz: Braten auf dem Teppanyaki, leichtes Dämpfen oder schnelles Frittieren im Wok. Alles wird sanft und vitaminerhaltend zubereitet.

Ein wichtiger Unterschied zu uns: Zu jeder Mahlzeit wird Reis statt Brot genossen. Eine der Hauptursachen für die Fettleibigkeit in der westlichen Welt ist der Überkonsum von Weizenmehl und raffiniertem Zucker. Man versuche einmal, statt Brot eine Portion japanischen bzw. braunen oder Vollkornreis zu sich zu nehmen. Er schmeckt nicht nur, sondern man fühlt sich gut gesättigt, dabei jedoch nicht übermäßig voll.

Überhaupt schleppt man sich in Asien nicht wie in Germanien mit schwerem Magen vom Tisch! Süßigkeiten werden ebenfalls weit weniger verzehrt als bei uns.

»Esse früh wie ein König ...«, galt auch einmal in Europa. Das Frühstück gilt in Japan als eine der wichtigsten Mahlzeiten am Tag. Eine Vielzahl von Kleinigkeiten kommt auf den Tisch: grüner Tee, gedünsteter Reis, Miso-Suppe mit Tofu. Frühlingszwiebeln und kleingeschnittenen Nori-Algenblättern, Omelett mit in Soja-Sauce geschwenkten Gemüsestreifen oder ein Stück Fisch. Alles wird appetitlich garniert, jede Zubereitung wird in ihrer eigenen Schale oder auf einer separaten Platte serviert.

Seit jeher lieben es die Japaner, die unterschiedlichsten und vielfältigsten Lebensmittel zu genießen und zu probieren, ohne dabei pausenlos an Diät zu denken. Beim lebensnotwendigen Essen kein schlechtes Gewissen kriegen und genießen!

Allerdings haben die allseits bekannten Fast-Food-Ketten auch in Asien längst Einzug gehalten. So ist es kein Wunder, dass auch unter den asiatischen Jugendlichen die Fettleibigkeit ansteigt; es gilt als hip, sich in den Restaurants amerikanischen Ursprungs zu treffen.

Ich sehe schon eine neue Bewegung: »Der Gesundheit zuliebe: Boykott Big Macs!«

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln