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Wanderfreudige Wähler

Hunderttausende wechselten in NRW zwischen den Parteien

Die Wechselwähler trugen diesmal entscheidend zur Wahlniederlage der CDU bei. Auch die LINKE verlor mehr als die Hälfte ihrer Stimmen an die politische Konkurrenz.

Der Wähler ist ein untreues Geschöpf. Dies zeigte sich auch in Nordrhein-Westfalen. Vor allem die Wähler der CDU machten aus dem Urnengang einen politischen Wandertag: Die Christdemokraten verloren mehr als 8 Prozent. Zwar wechselten viele ins Lager der Nichtwähler, doch weitaus mehr zog es zu SPD und FDP. Wie die Wahlanalyse von Infratest dimap ergab, machten 190 000 ehemalige CDU-Wähler ihr Kreuz bei den Sozialdemokraten. Das sind bei knapp 7,78 Millionen gültigen Stimmen mehr als zwei Prozent. Außerdem wechselten 160 000 zu den Liberalen und 60 000 Enttäuschte heuerten bei den Piraten an. Insgesamt büßte die CDU unter Spitzenkandidat Norbert Röttgen im Vergleich zu 2010 beinahe 580 000 Wählerstimmen ein und blieb so mit 26,3 Prozent weit hinter der SPD.

Die Sozialdemokraten verdanken ihren Stimmenzuwachs von 4,6 Prozent jedoch nicht nur den den Wechselwählern. Der alten und neuen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gelang es zudem, rund 120 000 Nichtwähler an die Urnen zu locken. Immerhin 40 Prozent aller SPD-Wähler gaben an, vor allem wegen Kraft für die Sozialdemokraten gestimmt zu haben. Die Landesmutter überzeugte also mehr durch ihr Image als durch Inhalte.

Besonders ärgerlich für die LINKE: Rund 90 000 ihrer ehemaligen Wähler votierten am Sonntag für die blassrote Konkurrenz von der SPD. Genauso viele Stimmen verlor die SPD übrigens an die Piraten.

Die Grünen büßten zwar Wählerstimmen ein. Doch die Verluste des kleinen SPD-Koalitionspartners fielen mit 0,8 Prozent relativ moderat aus: 80 000 wanderten zu den Piraten und 70 000 zur SPD ab. Im Gegenzug gelang es der Öko-Partei jedoch, etwa 50 000 Nichtwähler zu mobilisieren. Zudem machten 30 000 enttäuschte Linkswähler und 20 000 CDU-Parteigänger ihr Kreuz bei den Grünen.

Für die ebenso große wie unangenehme Überraschung sorgte die FDP. Die Liberalen legten um fast zwei Prozent auf insgesamt 8,6 Prozent zu und bleiben so viertstärkste Kraft im Land. Wie eingangs erwähnt, kann sich der liberale Spitzenkandidat Christian Lindner vor allem bei den wechselwilligen CDU-Wählern bedanken. Doch auch 30 000 Nichtwähler schenkten der FDP diesmal das Vertrauen. Eine für Parteienforscher und Psychologen sicher hochinteressante Gruppe sind jene 10 000 Linksparteiwähler, die sich im Zwielicht der Wahlkabinen für die Liberalen entschieden.

Weit weniger interessant sind jene 40 000, die statt FDP nun Piraten wählten. Denn die erstmals im Düsseldorfer Landtag vertretenen Freibeuter wilderten in beinahe allen politischen Lagern: 390 000 Wähler lockte man man von anderen Parteien weg. Gemessen an ihrer Stimmenzahl traf es die LINKE am schlimmsten: Gleich 80 000 ließen sich von den Freibeutern überzeugen.

Die Linkswähler auf Kaperfahrt waren aber nicht der einzige Grund für die schwere Wahlniederlage der Partei, die ihr Ergebnis von 2010 mehr als halbierte. Nur 194 000 Bürger machten am Sonntag ihr Kreuz bei der Linkspartei. Wie die Zahlen von Infratest dimap belegen, konnte die LINKE vor allem bei den Arbeitslosen und Arbeitern punkten. Hier lag sie mit 9 bzw. 5 Prozent deutlich über ihrem Gesamtergebnis von 2,5 Prozent.

Doch die beiden Gruppen konnten das Debakel nicht verhindern: Mehr als 250 000 Wähler kehrten der Partei der »neuen sozialen Idee« den Rücken. Nur die wenigsten von ihnen - rund 20 000 - blieben den Wahlurnen ganz fern. Die große Mehrheit entschied sich am Wahlsonntag für eine andere Partei. Das Wandern ist eben nicht nur des Müllers Lust. Nun hat man fünf Jahre Zeit, die Enttäuschten zurückzuholen.

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