Hinter den Glitzerfassaden von Baku

Menschenrechtsgruppen fordern eine kritische Beobachtung, lehnen einen Boykott aber größtenteils ab

  • Von Irina Wolkowa, Moskau
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Der Schlagerwettbewerb »Eurovision Song Contest« (ESC) hat sein Halbfinale erlebt. Deutschlands »Star für Baku«, Roman Lob, fühlt sich gut aufgenommen in der Stadt. Menschenrechtler bewegt anderes. Ihre Kritik am Grand Prix betrifft sowohl die hohen Kosten als auch die politischen Missstände im Land. Die Regierung wiederum spricht angesichts dessen von einer Schmutzkampagne gegen Aserbaidshan.

Über 60 Häftlinge aus Gewissensgründen, Platz 123 im internationalen Ranking der Pressefreiheit - selbst Afghanistan schneidet besser ab - massive Behinderungen von Opposition und Zivilgesellschaft, deren Proteste regelmäßig mit Gewalt aufgelöst werden, Wahlen, bei denen demokratische Mindeststandards notorisch verfehlt und die Ergebnisse manipuliert werden. Um Menschenrechte ist es in Aserbaidshan, wo am Dienstag der Song Contest der Eurovision begann, schlecht bestellt. Am anderen Ufer des Kaspischen Meeres, vor allem in Turkmenistan, allerdings noch schlechter.

Doch darüber erregten sich bisher nur internationale Beobachter wie Reporter ohne Grenzen. Politik und Wirtschaft hatten gute Gründe wegzusehen. Denn es ist aserbaidshanisches Öl, das an der türkischen Mittelmeerküste in westliche Tanker gepumpt wird. Dort endet die BTC - die über 1700 Kilometer lange Rohrleitung Baku-Tbilissi-Ceyhan, die 2006 in Betrieb ging. Das Gas au...


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