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Kein Kredit dank Facebook?

Schufa will Internetdaten für Verbraucherbewertung nutzen

Berlin (nd-Gernhardt). Das man sich gut überlegen sollte, was man von sich im Internet preisgibt, dürfte inzwischen jeder wissen. In Zukunft könnte aber noch mehr Vorsicht geboten sein: Wie am Donnerstag bekannt wurde, startete die Wirtschaftsauskunftei Schufa mit dem Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik in Potsdam (HPI) ein Forschungsprojekt zur Nutzbarkeit von Internetdaten. Das HPI soll demnach untersuchen, wie Informationen aus sozialen Netzwerken wie Facebook, Kurznachrichtendiensten wie Twitter oder Geodatendiensten wie Google Streetview gewonnen werden können, um sie anschließend mit bereits gespeicherten Schufa-Daten zu verknüpfen. Damit könnte die Kreditwürdigkeit eines Verbraucher zukünftig vom Inhalt seiner Twitter-Nachrichten oder Facebook-Statusmeldungen abhängen.

Denkbar ist laut einer »Ideenliste« des Projekts, aus der der Radiosender NDR Info zitierte, auch, dass Kontaktlisten unter die Lupe genommen werden– frei nach dem Motto »Sage mir, wen du kennst, und ich sage dir, ob du kreditwürdig bist«. Die Herangehensweise erinnert fatal an das sogenannte Geodatenscoring, bei dem z.B. ein »sozial schwaches« Wohnumfeld die eigene Bewertung verschlechtert. Auch könnte die Schufa über eigene Profile an Nutzeradressen kommen.

Verbraucherschützer kritisierten das Projekt scharf: Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg sprach von einer »Grenzüberschreitung«. Die Zusammenführung und Ausnutzung privater Daten halte sie für »hochgefährlich«. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sagte dem »Münchner Merkur«, sie sehe das Recht auf informationelle Selbstbestimmung massiv verletzt, wenn »soziale Netzwerke systematisch nach sensiblen Daten abgegrast« würden. Jan Korte, Datenschutzbeauftragter der LINKEN im Bundestag, kritisierte, mit der Umsetzung des Projektes werde der »gläserne Bürger Realität«.

Die Schufa verteidigte ihre Pläne: Das Forschungsprojekt genüge »höchsten ethischen Maßstäben«.

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