Werbung

Titeltraum von 38 Millionen

Polen startet heute gegen Griechenland in die Heim-EM

  • Von Jörg Mebus und Oliver Mucha, SID
  • Lesedauer: 3 Min.
Heute beginnt in Warschau mit dem Eröffnungsspiel zwischen dem Co-Gastgeber Polen und Griechenland die Fußball-EM. 38 Millionen Polen träumen vom Titel, doch die Begeisterung vor dem größten Sportereignis in der Geschichte des Landes hält sich noch in Grenzen.

Die große EM-Party lässt noch auf sich warten, zumindest Polens Kapitän aber ist schon bereit. »Wir können es wie Griechenland 2004 schaffen! Das ist mein großer Traum. Ich will bis zum Ende um den größten Preis mitspielen«, sagte Jakub Blaszczykowski. Der Dortmunder wird den Co-Gastgeber am Freitag beim Eröffnungsspiel gegen die Griechen mit stolzgeschwellter Brust ins Warschauer Nationalstadion führen, und 38 Millionen Polen werden mit ihm träumen.

Allerdings ist von EM-Stimmung in der Hauptstadt bislang wenig zu spüren. Wegen des bevorstehenden Feiertages bevölkerten zwar Tausende Partygänger die prachtvolle historische Altstadt bis in den frühen Donnerstagmorgen, rot-weiße Fahnen oder Fanhüte waren aber kaum zu sehen. Auch die Fans aus ganz Europa trudeln erst so langsam ein. Immerhin bessert sich das zuletzt bescheidene Wetter allmählich: Am Freitag soll es sonnig und 23 Grad warm werden.

Robert Lewandowski kann den Anpfiff kaum erwarten. »Ein großes Turnier im eigenen Land - das ist die Chance unseres Lebens«, sagte er, »ganz Polen wird davon profitieren«. Vor allem der Stürmer und seine beiden Dortmunder Meisterkollegen Blaszczykowski und Lukasz Piszczek tragen in den kommenden Wochen die Hoffnungen eines ganzen Landes.

Immerhin 28 Prozent der Polen sind laut einer Internetbefragung der großen Boulevardzeitung Fakt davon überzeugt, dass die »Bialo-czerwoni«, die Weiß-Roten, Europameister werden. Das Web-Portal Onet schrieb: »Nun ist es kein Spaß mehr. Es sind nicht mehr Jahre, Monate, Wochen oder Tage. Es sind nur noch Stunden bis zum Eröffnungsspiel.«

Nationaltrainer Franciszek Smuda versucht seit Wochen, den wachsenden Druck von seiner unerfahrenen Mannschaft fernzuhalten, der zweitjüngsten im Turnier nach der deutschen. »Uns fehlen die großen Stars. Wir können nur als Team etwas erreichen. Das Ziel ist klar: Wir wollen die Gruppe überstehen«, sagte Smuda: »Ich hoffe, dass dieses Team dem Turnier seinen Stempel aufdrücken kann.«

Zumindest in das Eröffnungsspiel, das in mehr als 200 Länder übertragen wird, gehen die Polen als Favorit, obwohl Smuda auch diese Rolle den Griechen zuschiebt. Sie sind als 15. in der FIFA-Weltrangliste 47 Plätze höher notiert als die Polen, die zumindest nach dem Ranking des Weltverbandes das schwächste der 16 EM-Teams stellen. Doch die Gastgeber konnten ohne EM-Qualifikation kaum Punkte sammeln und sind außerdem eingespielt. Seit sechs Spielen ohne Niederlage gewannen sie die letzten drei gar ohne Gegentreffer.

Derweil treten die Griechen erstmals seit dem 1. Juli 1994 (0:2 bei der WM in den USA gegen Nigeria) ohne Trainer Otto Rehhagel bei einem großen Turnier an, und sie wollen erneut den Partyschreck spielen. »Wir sind nicht arrogant, aber wir fürchten nichts und niemanden. Wir haben 2004 schon mal einem Gastgeber die Party versaut, und ich hoffe, dass wir es wieder tun werden«, sagte Verteidiger Giorgos Tzavellas.

2004 hatten die Griechen unter Rehhagel als Höhepunkt eines sensationellen Siegeszuges im Finale den Gastgeber Portugal bezwungen. Rehhagels Nachfolger ist der Portugiese Fernando Santos, der sich auf eine sehr stabile Defensive verlassen kann. Seit Santos' Amtsantritt im Sommer 2010 hat die Mannschaft erst einmal verloren (1:3 gegen Rumänien). Nicht von ungefähr kündigte der Trainer an, im Eröffnungsspiel auf Sieg spielen zu lassen.

Das will auch Smuda, und er setzt dabei auf Lewandowski. Der Angreifer, der mit 22 Toren maßgeblichen Anteil an der zweiten Dortmunder Meisterschaft in Folge hatte, genießt gewaltige Wertschätzung. Die Polen präsentierten sich zuletzt aber vor allem als funktionierende Einheit.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser:innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede:n Interessierte:n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor:in, Redakteur:in, Techniker:in oder Verlagsmitarbeiter:in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung