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Sie sind Sklavenhändler?

Protest gegen Hungerlöhne und menschenunwürdige Behandlung von Arbeitslosen

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Ein ehrenamtlicher DGB-Vorsitzender im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming führte eine Sklavenkarawane gegen Hungerlöhne. Michael Maurer im nd-Interview.
nd: Herr Maurer, Sie sind Sklavenhalter geworden. Warum?
Maurer: Eigentlich bin ich ehrenamtlicher DGB-Vorsitzender im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming. Den Sklavenhalter spiele ich nur, um auf Hungerlöhne und die menschenunwürdige Behandlung von Arbeitslosen aufmerksam zu machen.

Bei welcher Gelegenheit tun Sie das?
Wir sind am 4. Juni in Ludwigsfelde mit zwei Fahrzeugen zu einer symbolischen Sklavenkarawane durch Brandenburg aufgebrochen. Unsere Stationen waren Finsterwalde, Cottbus, Eisenhüttenstadt, Eberswalde, Prenzlau, Oranienburg und Brandenburg/Havel. Jetzt am Freitag endete die Karawane auf dem Luisenplatz in Potsdam. Unterwegs haben wir auf öffentlichen Plätzen Sklavenmärkte veranstaltet.

Wie muss man sich das vorstellen?
Als eine Art Straßentheater. Ich bin im dunklen Anzug, im feinen Tuch aufgetreten und habe so quasi das Finanzkapital verkörpert. Ob er in der Figur des Sklavenhalters einen Präsidenten der Industrie- und Handelskammer sieht oder einen hochrangigen SPD-Politiker, der im Interesse der Wirtschaft handelt und die Arbeiter verrät, musste jeder Zuschauer selbst entscheiden. Jedenfalls bot ich sechs Sklaven verschiedener Gewerke zum Verkauf an: einen Elektriker, einen Maurer, einen Maler, einen Tischler, einen Heizungsmonteur und einen Gebäudereiniger. Ich pries sie ironisch an, versprach, dass sie zu einem sehr niedrigen Lohn arbeiten werden. Im Dialog behauptete dann einer sarkastisch, dass er sehr gern unbezahlte Überstunden mache, oder ein anderer sagte, er sei jetzt 63 Jahre alt und freue sich gewaltig, bis 67 und länger arbeiten zu dürfen.

Welche Reaktionen gab es?
Auf dem Marktplatz in Eberswalde sprach mich hinterher ein altes Mütterchen mit schlohweißen Haaren an, der standen Tränen in den Augen, als sie mir sagte, endlich spreche das mal einer aus, wie schlimm es ist. Das war sehr rührend. Oder in Prenzlau, da kam eine junge Frau und zeigte auf die Filiale einer bekannten Textilfirma, die dafür bekannt ist, dass sie ihre Mitarbeiter schlecht behandelt und Sachen verkauft, die in Kinderarbeit hergestellt worden sind. Das hätte ich auch noch erwähnen können, meinte sie.

Was müsste sich ändern?
Wir fordern beispielsweise, dass Leiharbeiter vom ersten Tag an den gleichen Lohn erhalten wie die übrigen Kollegen, und dass Leiharbeiter nicht in Betrieben eingesetzt werden dürfen, die bestreikt werden. Der DGB verlangt einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro, besser wären natürlich zehn Euro. Wenn es nach mir geht, müsste auch sofort die 30-Stunden-Woche eingeführt werden.

Wie sind Sie auf die Idee einer Sklavenkarawane gekommen?
Ich bin langzeitarbeitslos und habe mich in meiner Heimatstadt Jüterbog an Montagsdemonstrationen gegen Hartz IV beteiligt und dort mit anderen Betroffenen den Verein für soziale Selbstverteidigung gegründet. Vor zwei Jahren machten wir einen »Zug der Tagelöhner« durch Brandenburg. Als ich DGB-Kreisvorsitzender geworden bin, habe ich mir gedacht, etwas Ähnliches müsste man wieder tun.

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