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Frustrierte Franzosen

Während England das 1:1 feiert, ärgert sich die Equipe Tricolore über den defensiven Gegner

  • Von Günter Bork, SID
  • Lesedauer: 3 Min.
England feierte den Punktgewinn gegen Frankreich als Beginn einer neuen Ära. Bei der Equipe Tricolore herrschte hingegen Frust - und Ärger über die Defensivtaktik des Gegners.

Franck Ribéry war »not amused«. Mit finsterer Miene verließ er die Arena in Donezk - und Schuld daran waren wieder mal die Engländer. Drei Wochen nach dem Finale in der Champions League mit dem FC Bayern gegen Chelsea wurde das EM-Auftaktspiel für den Franzosen zum Déjà-vu. Erneut stand unter dem Strich viel Aufwand, aber mit dem 1:1 (1:1) wenig Ertrag.

Dass seine Mannschaft gegen den Erzrivalen England ihre Serie fortsetzte und auch das 22. Spiel in Folge unter Trainer Laurent Blanc ungeschlagen geblieben war, tröstete wenig. »Wir sind frustriert, denn wir waren besser. England hat gespielt wie Chelsea gegen Barcelona«, klagte Patrice Evra. Es hätten phasenweise gefühlte 15 Engländer in der Abwehr gestanden, wetterte er. »Da hat man keinen Platz mehr. Ich würde mir wünschen, sie würden mehr Fußball spielen.«

Es war vermutlich auch die Enttäuschung über die eigene Leistung, die sich da Bahn brach - und Ribéry wortkarg in den Mannschaftsbus trieb. Die Dribbelkünste des Münchners endeten zumeist weit vor dem Strafraum, und als er sein Spiel in die Mitte verlagerte, blieb für ihn kaum Platz, weil dort Torschütze Samir Nasri (39.) souverän regierte. Der Stratege von Manchester City gewann zudem das Duell mit seinem Klub-Keeper Joe Hart zum wichtigen Ausgleich. »Dass wir sofort auf die Führung der Engländer reagiert haben, war das Positivste«, sagte Blanc. »Immerhin, den besseren Fußball haben wir gespielt.«

Den Engländern war's egal. »Mit Herz und Leidenschaft« hätten sie einen Punkt erkämpft, der in den Medien vier Jahre nach der verpassten Qualifikation für die EM 2008 und dem frühen WM-Aus 2010 wie der Start in eine neue Ära gefeiert wurde. Das Unentschieden als Wendepunkt für Englands »Löwen«? Für Roy Hodgson war die Sache klar: »Das war ein guter Anfang. Aber wird werden noch stärker«, sagte der Teammanager. Immerhin habe man den Pessimisten gezeigt, dass man auf einem derartigen Level bestehen könne. »Ich hatte nur drei Testspiele und zehn Trainingseinheiten Zeit«, sagte der 64-Jährige.

41 Tage nach seinem Amtsantritt durfte Hodgson neun Minuten lang von einem EM-Blitzstart träumen, nachdem Joleon Lescott sein Team mit seinem ersten Länderspieltor (30.) in Führung gebracht hatte. Die Vorlage kam vom überragenden Kapitän Steven Gerrard. Mit dessen Unterstützung empfahl sich der erst 18-jährige Alex Oxlade-Chamberlain für weitere Einsätze. Es gilt als sicher, dass er auch am Freitag gegen Schweden spielen wird. »Wir haben uns mit dem Punkt eine gute Basis erarbeitet. Und gegen Schweden? Mal sehen, was passiert«, sagte Hodgson mit weltmännischer Gelassenheit.

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