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»Der Handlungsdruck ist enorm gestiegen«

Bei der Bilanzpressekonferenz von »Brot für die Welt« überlagern die globalen Probleme die Mühen der Hilfsorganisation

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Bei der Pressekonferenz des Hilfswerks »Brot für die Welt« stand neben dem Resümee der eigenen Arbeit das der Nachhaltigkeitskonferenz von Rio 1992, deren Folgetreffen kommende Woche beginnt, im Mittelpunkt. Die Bilanz von Rio sieht dürftig aus. Brot für die Welt erzielte 2011 sein zweitbestes Spendenergebnis in den vergangenen zehn Jahren.

Der Blick über den Tellerrand macht Cornelia Füllkrug-Weitzel Sorgen: »20 Jahre nach Rio ist der Handlungsdruck enorm gestiegen. Die Welt steht unter dem Eindruck globaler Krisen, allen voran der Hungerkrise, der Klimakrise und der Finanzkrise.« Füllkrug-Weitzel ist die Direktorin des evangelischen Hilfswerks »Brot für die Welt«, das mit Entwicklungsprojekten auf lokaler Ebene in vielen Ländern der Welt den globalen Verwerfungen zu trotzen versucht. Angewiesen ist das kirchliche Hilfswerk dabei auf private Spenden. Die sind auch 2011 durchaus reichlich geflossen: Mit 56,3 Millionen Euro wurde das zweitbeste Spendenergebnis der vergangenen zehn Jahre erreicht. »Eine Spendenmüdigkeit kann ich nicht erkennen«, erklärte Füllkrug-Weitzel, die allen Spenderinnen und Spendern für ihre große Hilfsbereitschaft dankte. »Von den Spenden flossen 46,3 Millionen Euro in die Arbeit der 968 Projekte. Den Schwerpunkt bildete die Sicherung der Ernährung, vor allem die Förderung nachhaltiger kleinbäuerlicher Landwirtschaft, besonders angesichts des Klimawandels«, führte sie die Arbeit des Hilfswerks aus.

Während der Klimawandel hierzulande noch nicht spürbar im Alltag angekommen ist, sieht das in vielen Teilen des Globalen Südens anders aus. In Bangladesch machte sich Füllkrug-Weitzel selbst ein Bild und sprach mit vielen Betroffenen. Das Land liege in der Zone, in der die meisten aller tropischen Wirbelstürme entstehen, und deren Häufigkeit nehme aufgrund des Klimawandels zu. Mit desaströsen Folgen: Immer mehr Menschen müssten die Küstenregionen verlassen, die bisher als Reiskammer des Landes dienen und diese Funktion wegen Versalzung der fruchtbaren Schwemmlandböden mehr und mehr einbüßten. »Wenn es so weitergeht, werden bald 50 Millionen Menschen nicht mehr dort leben können«, malte Füllkrug-Weitzel ein düsteres Zukunftsszenario.

Um die Zukunft nicht nur von Bangladesch geht es in der kommenden Woche bei der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro - 20 Jahre nach der Rio-Konferenz, die auf dem Papier Maßstäbe für eine nachhaltige Entwicklung setzte. Real warten die Rio-Beschlüsse auch 20 Jahre danach noch auf tatkräftige Umsetzung. Deswegen plädierte Füllkrug-Weitzel gestern in Berlin für neue globale Allianzen und sieht dort die Bundesregierung in der Pflicht. Nur eine gemeinsame »Allianz der Willigen« könne gegenüber »zögerlichen« Schwellenländern wie Südafrika, China, Indien und Brasilien den nötigen Druck aufbauen, nicht die Fehler der alten Industrieländer zu wiederholen, sagte die Pfarrerin. Auch entstünde so ein Hebel, um notorische Blockierer wie vor allem die USA zu einem globalen und völkerrechtlich verbindlichen Klimaregime zu zwingen.

Vom Rio-Gipfel erhofft sich Füllkrug-Weitzel unter anderem auch konkrete Umsetzungsstrategien für die »Green Economy«. Auf nd-Nachfrage machte sie deutlich, dass es nicht ausreiche, einen grünen Wirtschaftssektor zu etablieren, sondern es eines grundlegenden Umsteuerns bedürfe. Nicht nur effizienter, sondern auch genügsamer zu wirtschaften als bis dato, gab sie als Richtschnur aus. Die Politik wird sich daran nur ungern messen lassen. Doch die Alternative ist eine weitere Zunahme von inner- und zwischenstaatlichen Konflikten um knapper werdende Ressourcen wie Land, Wasser und Rohstoffe, wie sie Füllkrug-Weitzel in Bezug auf die vergangenen Jahre bereits ausmachte.

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