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Eichwalde in der Novemberrevolution

Gelesen

Der Heimathistoriker Wolfgang Müller hat nach seinen Veröffentlichungen über die Eichwalder Jahre 1933 bis 1945 und 1945 bis 1953 jetzt ein Buch über die Geschichte des Ortes von 1918 bis 1925 vorgelegt. Die solide, 201 Seiten umfassende Arbeit ist bemerkenswert. Sie enthält eine Fülle neuer Fakten, die sich im Zusammenhang mit den Recherchen zur Novemberrevolution von 1918 ergaben. Gegenwärtig und künftig kann um dieses Buch kein Bogen geschlagen werden, wenn nach geschichtlichen Erfahrungen zu aktuellen kommunalen Entwicklungen gefragt wird.

Der Text überzeugt insbesondere durch seine detaillierte und realistische Analyse der politischen Geschichte des Ortes. Müller schildert verheerende nationalistische Aktionen der bürgerlichen Parteien, die den revolutionären Bestrebungen der Arbeiter und breiter Bevölkerungsschichten während und nach der Novemberrevolution entgegengestellt wurden.

Durch die ungeschminkte Darstellung der damaligen Politik erhalten die vor dem 150. SPD-Jubiläum im Jahr 2013 aufkeimenden Verklärungen der 1918 in Mehrheitssozialisten (SPD) und Unabhängige (USPD) gespaltenen Partei erst gar keinen Raum. Einer noch nachwirkenden Überhöhung der Rolle der jungen KPD in den Jahren bis 1925 entgeht die Publikation mit einer nüchternen Würdigung ihres tatsächlich noch bescheidenen Einflusses. Dazu gibt es Aussagen zum widersprüchlichen Wirken der evangelischen Kirche in der Weimarer Zeit.

Dem Autor gelingt mit dieser Publikation erneut die Verbindung von Orts- und Nationalgeschichte. Er erteilt damit Heimattümelei eine Absage. Das Buch basiert auf gründlichem Studium der Literatur und intensiven Recherchen in Archiven. Wie viele Veröffentlichungen dieser Art erschien das Buch im Selbstverlag.

Wolfgang Müller: »Eichwalde in der Weimarer Republik. Zur Geschichte des Ortes von 1918 bis 1933, Teil 1: 1918 bis 1925«, Selbstverlag, 201 Seiten, 11 Euro, erhältlich in der Buchhandlung Schattauer, Bahnhofstraße 87 in Eichwalde

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