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Atemprobleme am Bodensee

Deutschlands größter See wird langsam wärmer - mit Folgen für Flora, Fauna und den Menschen

  • Von Kathrin Streckenbach, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Folgen des Klimawandels sind am Bodensee bereits spürbar. An dem Trinkwasserreservoir für Millionen Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nehmen Stürme und Hochwasser zu, manche Vogelarten wandern ab - und der See könnte Atemprobleme bekommen.

Konstanz. Häufiger Starkregen, heftige Stürme, stark schwankende Wasserstände: Die Folgen des Klimawandels sind keine fernen Zukunftsszenarien - sie lassen sich beispielsweise am Bodensee bereits jetzt feststellen. »Solche Ex-tremereignisse nehmen zu«, sagt Heinz Gerd Schröder, Leiter des Instituts für Seenforschung (ISF) in Langenargen am Nordufer des Sees. Gemeinsam mit seinen Kollegen untersucht er bis 2014 in einem europäischen Forschungsprojekt unter anderem, welche Folgen eine Erwärmung des Seewassers haben könnte.

Aal mit Herpes

Denn seit den 1960er Jahren ist die Lufttemperatur in Konstanz laut Deutschem Wetterdienst um durchschnittlich 0,04 Grad pro Jahr angestiegen, die Wassertemperatur laut ISF in einem halben Meter Tiefe um 0,03 Grad. »Das klingt nicht gewaltig, hat aber spürbare Auswirkungen«, sagt Schröder.

Zum Beispiel auf den Temperaturhaushalt des größten Sees in Deutschland: Die Erwärmung des Oberflächenwassers am Bodensee beginne inzwischen rund einen Monat eher als in der Vergangenheit. »Dadurch können sich planktonische Algen früher entwickeln.« Diese Zeitverschiebung setzt sich wiederum bei den Organismen fort, die vom Plankton leben - bei Fischen oder auch Wasserflöhen. »Was das für Auswirkungen hat, wissen wir noch gar nicht so genau«, sagt Schröder.

Im Tierreich sieht das ganz ähnlich aus: »Man weiß einfach nicht, was da kommt«, sagt Gergely Kispál vom Naturschutzverband BUND Baden-Württemberg. Schon jetzt nehmen Vogelarten wie die Felsenschwalbe oder der Orpheusspötter, die eigentlich im Mittelmeerraum beheimatet sind, am Bodensee zu. Andere Vogelarten wandern dagegen nach Norden ab - allein der Bestand der Uferschnepfen habe seit 1980 um rund 84 Prozent abgenommen.

Auch ins Wasser gelangen neue Arten, allerdings oft bewusst oder unbewusst von Menschen eingeschleppt. Doch wenn die Wassertemperatur zunimmt, fühlen sich auch Tiere aus wärmeren Regionen im Bodensee wohl. »Das Problem ist, dass Tiere, die im Wasser leben, hoch spezialisiert sind«, sagt Kispál. Es könnte sein, dass eine Tierart kommt, die hierzulande keine Fressfeinde hat. »Das hätte dramatische Folgen für das Ökosystem.« Auch Krankheiten, deren Erreger sich im warmen Wasser wohl fühlen, können sich ausbreiten - wie im Jahr 2003, als das Aal-Herpesvirus zu einem vermehrten Aalsterben führte. Fest steht schon jetzt: Wenn sich das warme Wasser im Herbst nicht mehr richtig abkühlt, ist der Austausch zwischen den einzelnen Wasserschichten im See gestört. Normalerweise sinkt das kälter werdende Oberflächenwasser ab und bringt Sauerstoff in die tieferen Lagen. Der wird dort dringend gebraucht: »Da unten liegt quasi Biomüll, zum Beispiel abgestorbene Algen. Die Bakterien, die dort leben, bauen dieses Material ab und dazu brauchen sie Sauerstoff«, sagt Schröder. »Wenn nichts nachkommt, kriegt der See Atemprobleme.«

Strategie der Anpassung

Bei einer solchen Entwicklung können sich aus dem Sediment heraus Nährstoffe und Schadstoffe lösen wie Phosphor. »Geschieht das über einen langen Zeitraum, wäre das auch für das Trinkwasser gefährlich.« Denn der Bodensee ist auch Trinkwasserreservoir für Millionen Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bislang sei ein solcher Fall jedoch noch nicht eingetreten - der Bodensee sei sauber genug, um solche Phasen durchzustehen. »Aus unserer Warte ist der Gewässerschutz die beste Vorsorge für alle Effekte, die der Klimawandel mit sich bringen kann«, sagt Schröder.

Auch der Umweltminister Baden-Württembergs, Franz Untersteller (Grüne), hatte bereits die Notwendigkeit eines »vorausschauenden Umgangs mit dem Klimawandel« betont. Das Land habe eine Anpassungsstrategie an unvermeidbare Folgen entwickelt, kündigte er im März an. Um die Auswirkungen in Grenzen zu halten, ist bis zum Jahresende ein Konzept in drei Etappen geplant. Denn: »Die Folgen des Klimawandels werden sich auf zahlreiche Lebensbereiche auswirken.« So könne die Land- und Forstwirtschaft sowohl durch Hitzeperioden als auch durch das Auftreten von bisher in unseren Breiten unbekannten Krankheitserregern und Schädlingen beeinträchtigt werden. »Der Klimawandel in Baden-Württemberg ist bereits Realität.«

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