Werbung

Charité will Leiharbeit ersatzlos streichen

Pflegekräfte protestierten gestern gegen die geplanten Personaleinsparungen

  • Von Nissrine Messaoudi
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Pflegekräfte der Charité in Mitte fordern Entlastung.
Pflegekräfte der Charité in Mitte fordern Entlastung.

Für die Patienten bleibt nur wenig Zeit. Das Pflegepersonal der Charité leidet unter Zeitdruck. Die Anforderungen an die Pflegekräfte werden künftig steigen, denn die Leitung des Universitätsklinikums hat angekündigt, möglichst auf den Einsatz von Leiharbeitern zu verzichten - und zwar ersatzlos. Gegen die geplanten Personaleinsparungen rief gestern die Gewerkschaft ver.di an allen drei Standorten der Charité zu Protestkundgebungen auf. Hunderte Angestellte aus dem Pflegebereich folgten dem Ruf, um ihren Unmut über »Personalnot und Mangelversorgung« zu machen.

Intensivstationsschwester Sandra Janke beklagt vor allem die psychische Belastung durch den entstehenden Zeitdruck. »Weil man sich trotzdem so gut wie möglich um den Patienten kümmern möchte, bleibt man oft selbst auf der Strecke«, sagt sie. Zeit zum Atmen bleibe kaum. Nach einer anstrengenden Schicht gehe sie erschöpft nach Hause. »Dann plagt mich mein Gewissen und ich frage mich, ob ich nicht etwas in der Schnelle vergessen habe«, schildert die 35-Jährige, die nun schon seit elf Jahren bei der Charité in Mitte arbeitet, die Problematik. Zusammen mit ihren Kollegen fordert sie mehr Personal zur Entlastung und einen besseren Gesundheitsschutz für die Beschäftigten.

»Als Gewerkschaft begrüßen wir natürlich, dass auf Leiharbeit verzichtet wird. Aber nur, wenn die entsprechenden Stellen anders besetzt werden«, betont ver.di-Mitarbeiterin Sylvi Krisch. Anstelle von Leiharbeitern sollen laut Charité Festangestellte und Auszubildende eingesetzt werden. Leiharbeit diene schließlich zur Deckung eines ungeplant hohen oder temporären Personalbedarfs und könne nicht die Regel sein, heißt es bei der Charité. So sollen die rund zwölf Millionen Euro, die das Klinikum im letzten Jahr für die Leasingkräfte ausgegeben hat, eingespart werden. »Ohne parallel zum Abbau von Leiharbeit das Stammpersonal zu erhöhen, wird es zu einem verstärkten Risiko in der Patientenversorgung kommen«, warnt Carsten Becker, der Vorsitzende des Personalrats der Charité. Seit 2008 seien 200 Stellen in der Pflege gestrichen worden. Die rund 4000 Pflegekräfte bringen schon jetzt 100 000 Überstunden zusammen. Die 100 Neueinstellungen zum Jahreswechsel, auf die das Unternehmen verweist, haben die Situation der Beschäftigten laut Becker kaum verbessert. Denn mehr als die Hälfte fülle lediglich die Lücke, die durch das Auslaufen des Pflegeförderprogramms der Bundesregierung entstanden ist.

Die Mehrbelastung, unter der das Personal leide, wirke sich letztlich auch auf die Patienten aus. »Patienten beschweren sich immer wieder über zu wenig Zeit und Aufmerksamkeit von Seiten der Pflegekräfte«, weiß Sylvi Krisch von ver.di. Dass das Personal kaum Zeit hat, sich über die Grundversorgung hinaus den Patienten zu widmen, wundert nicht. Im Bundesdurchschnitt liegt das Verhältnis von Pfleger und Patient bei eins zu 21.

Ver.di rief gestern die Charité-Leitung zu Verhandlungen über den Stellenabbau auf. Man hoffe auf einen »guten Kompromiss«. Falls sich die Chefetage der Klinik auf keine Verhandlungen einlasse, seien Streiks nicht auszuschließen. Der Abgeordnete der Linksfraktion Klaus Lederer unterstützte die Aktion. »Die Stationen müssen personell aufgestockt werden. Am besten mit nach Tarif bezahlten Festangestellten«, so Lederer. Bereits im vergangenen Jahr hat die Gewerkschaft erfolgreich mit Streiks auf die Personallage an der Charité aufmerksam gemacht.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!