Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Teebeutel statt Zuckergranulat

Verleihung des »Goldenen Windbeutels« an Hipp: Verbraucher strafen Getränke für Kleinkinder ab

Zum vierten Mal verlieh die Verbraucherorganisation Foodwatch am Dienstag den Preis für die »dreisteste Werbelüge«. Gewonnen haben die Instant-Kindertees von Hipp.

Alkoholfreies Bier mit Alkoholanteil, blutzuckersenkende Margarine oder kalorienreduziertes Hackfleisch mit pflanzlichem Eiweißzusatz - bei der Wahl zum »Goldenen Windbeutel« 2012 hatten die Verbraucher die Wahl, welches Produkt die Bezeichnung »dreisteste Werbelüge« des Jahres tragen muss. Aus der Onlineabstimmung der Verbraucherorganisation Foodwatch gingen die Instantfrüchtetees der Firma Hipp in den Geschmacksrichtungen Apfel-Melisse, Früchte und Waldfrüchte als Sieger hervor. 34,1 Prozent der 129 229 Teilnehmer stimmten für die aus Wasser, Zucker, Fruchtpulver und Vitaminzusätzen bestehenden Getränkegranulate.

Den zweiten Platz belegte das Viva Vital Hackfleisch von Netto-Markendiscount (27,5 Prozent), gefolgt von der Margarine Becel pro.activ (22,2 Prozent), Clausthaler alkoholfrei von Radeberger (10,1 Prozent) und dem Früchtetee Landlust Mirabelle & Birne von Teekanne (6,1 Prozent).

Das Ergebnis zeigt, dass die Verbraucher besonders empfindlich auf Werbelügen reagieren, die Kinderlebensmittel betreffen. Bereits 2010 und 2011 erhielten solche Produkte - der Monte-Drink von Zott und die Milch-Schnitte von Ferrero - den Negativpreis.

Die Teegranulate von Babynahrungshersteller Hipp werden für Kinder ab zwölf Monate angeboten. 200 Milliliter haben rund 30 Kilokalorien (kcal) - etwas mehr als zwei Würfel Zucker. Wird das Teegranulat als alleiniger Durstlöscher genutzt, deckt es schnell 10 bis 20 Prozent des Kalorienbedarfes eines Kleinkindes, der bei 900 bis 1300 kcal pro Tag liegt.

Hinzu kommt die Kariesgefahr, die besonders beim Trinken aus der Nuckelflasche oder dem Trinklernbecher mit Plastiktülle stark erhöht ist. Hierbei umspült das Getränk relativ lange die Zähne und kann so schnell zu ernsthaften Zahnschäden führen.

Hipp wehrt sich gegen die Kritik und weigerte sich, den Negativpreis anzunehmen. Für die Kindertees mache man keine Werbung, zudem sei der Zuckergehalt klar auf der Verpackung angegeben, heißt es in einer Erklärung. Darüber kann man geteilter Meinung sein: Die Dosen, in denen das Granulat verkauft wird, zeigen vorn leuchtend buntes Obst und Blüten. Die Aufschrift verheißt »natürliche Fruchtextrakte«. Kein Wort von Zuckerzusätzen. Der Hinweis zur Kariesgefahr findet sich klein auf der Rückseite der Dose, ebenso der Zuckergehalt.

Oliver Huizinga von Foodwatch sagte am Dienstag, die Tees seien »Zuckergranulat mit Wasser aufgegossen«. Den Eltern solche Produkte für Kleinkinder zu empfehlen, sei »unverantwortlich«. Nach einer E-Mail-Protestaktion von über 10 000 Verbrauchern hatte Hipp bereits im Mai angekündigt, die Granulattees Ende 2012 vom Markt zu nehmen. Es werde bereits an einer zuckerfreien Rezeptur gearbeitet, sagte eine Unternehmenssprecherin. Hipp bietet inzwischen auch Teegetränke für Babys ab dem 6. Monat an: Der Fenchel- und Kamillentee, (16 kcal pro 100 ml) ist mit Isomaltulose gesüßt, einem Kohlenhydrat, das nach eigenen Angaben »von den Mundbakterien nicht genutzt werden« kann, wodurch kaum karieserzeugende Säuren entstünden.

Oliver Huizinga sagte, neue Produkte seien nicht notwendig, denn Hipp habe mit den »guten alten Teebeuteln« längst geeignete Kleinkindgetränke auf dem Markt.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln