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Zwei Jahrzehnte linksradikale Politik

Lesung, Party und Paddeltour: FelS feierte Geburtstag

Seit 21 Jahren macht die Berliner Gruppe FelS (Für eine linke Strömung) linksradikale Politik. Am vergangenen Wochenende feierte FelS mit FreundInnenen und GenossInnen.

Sonnenuntergang am Urbanhafen in Berlin Kreuzberg. Über 30 Schlauchboote und Kanus dümpeln rings um ein Floß, von dem aus Musik tönt. »Die Arbeiter von Wien«, das Rauch-Haus-Lied von Ton Steine Scherben und schließlich »Bella Ciao« schallen übers Wasser; aus den Boxen und gesungen von den Paddlerinnen und Paddlern. Mit einer mehrstündigen Tour zu Wasser endete am Sonntag die dreitägige Geburtstagsfeier der Berliner Gruppe FelS (Für eine linke Strömung).

FelS wurde von sechs Leuten gegründet. Den Namen trägt die Gruppe von Beginn an, auch wenn er nur als Übergangsname gedacht war, wie Stefan Thiele erzählt. Der 40-Jährige ist seit neun Jahren bei FelS und derzeit ein Pressesprecher der Gruppe. Der Spruch »Wir sind doch kein Kampagnenheinz«, der auf Plakaten und Flyern für die Geburtstagsveranstaltungen warb, ist so alt wie die Gruppe selbst - und Anspielung auf ein Papier, das im Sommer 1991 erschien.

Im November 1991 wird unter dem Titel »Die Autonomen machen keine Fehler, sie sind der Fehler« die Diskussion zum Konflikt zwischen angeblich bloß aktionsorientierter und ausschließlich politisch-theoretischer Arbeit fortgesetzt. »Politisch langfristige Konzepte werden kaum diskutiert«, hieß es da. »Die Frage, ob es uns gelingt, nicht nur von Großprojekt zu Großprojekt zu steuern, stellen wir uns natürlich immer wieder«, sagt Lea S. Die 28-Jährige ist seit drei Jahren bei FelS. Hundertprozentig bejahen ließe sich die Frage nicht. Sie sieht FelS als Gruppe, die Schwerpunkte in antifaschistischer, Sozial-, Umwelt- und Geichberechtigungspolitik setzen will. »Und natürlich müssen wir dazu mit Großprojekten wie dem Protest gegen den G8-Gipfel, gegen den Castor-Transport oder der Verhinderung von Europas größtem Naziaufmarsch in Dresden unsere Politik nach außen tragen.«

Einen Rückblick auf vergangene Arbeit gab es am Freitagabend. Als Auftakt ins Geburtstagswochenende organisierte die Gruppe eine Lesung aus bisher erschienenen Arranca-Ausgaben. Seit 1993 erscheint das Magazin mit Interviews, Essays, eigenen Texten und Gastbeiträgen. Auch hier geht es darum, kontinuierlich zum politischen Prozess innerhalb der radikalen Linken beizutragen, sowie ihn dokumentierend zu begleiten.

»Ich bin zu FelS gegangen, um Politik zu machen, die nicht nur in die linke Szene wirkt. Es geht darum, linksradikale Inhalte auch in die Gesellschaft zu tragen und dort zu verankern«, sagt Peter W., der mit Genossen und Freunden im Hof des Festsaal Kreuzberg steht und bei einem Bier auf den Beginn des Konzertes wartet. Die eigentliche Geburtstagsfeier fand am Samstagabend im Festsaal statt, mit Festprogramm, Konzert und Party. Die Zeit um die Gründung herum, die Pogrome in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen Anfang der 1990er sind Thema im Rückblick, theoretischer und kritischer wird es im Ausblick auf FelS und die Zukunft der Gruppe, beispielsweise in Bezug auf die Interventionistische Linke. In diesem 2005 gegründeten bundesweiten Zusammenhang von Gruppen und Einzelpersonen ist FelS organisiert.

Während der Bootstour rücken indes wieder gegenwärtige Schwerpunkte in den Fokus. An verschiedenen Orten stoppt der Ausflug für kurze Beiträge zur Berliner Mietenpolitik oder zum Stichwort Alltagsrassismus.

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