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G20 verspielen Kredit

Kommentar von Martin Ling

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Der Schock ist vergessen, die Strukturprobleme bleiben unangetastet. Kurz nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 konnte man bei den G20-Gipfeln 2009 in London und Pittsburgh halbwegs den Eindruck gewinnen, dass die Staats- und Regierungschefs gemeinsam an einer Bändigung der außer Rand und Band geratenen Finanzmärkte arbeiten. »Kein Akteur, kein Produkt, kein Markt« sollte künftig mehr ohne Aufsicht sein. Doch das kurze Zeitfenster, als die Weltwirtschaft durch den drohenden Zusammenbruch der Finanzmärkte direkt vor dem Abgrund stand, ist längst wieder geschlossen. Statt gemeinsam die Wirtschaftspolitik zu koordinieren und die Finanzmärkte zu reregulieren, obsiegen nationalstaatliche Interessen ohne Rücksicht auf Verluste - ob auf den Finanzmärkten oder im Handel.

Es ist frech, dass sich die G20 im mexikanischen Los Cabos »tief besorgt über zunehmende Fälle von Protektionismus rund um den Globus« zeigen, wobei eine gerade vorgelegte Studie der unabhängigen Wissenschaftlergruppe »Global Trade Alert« den Nachweis erbracht hat, dass seit Krisenbeginn ausgerechnet die G20 die meisten Handelsbarrieren errichtet haben. Die G20 sind gerade dabei, den Kredit zu verspielen, den sie sich unmittelbar nach Krisenbeginn durch eine größtenteils abgestimmte Feuerwehrpolitik erworben haben. Inzwischen spielen die G20 mit dem Feuer: Die Gefahr, dass sich die Eurokrise zum globalen Flächenbrand entwickelt, ist nach Los Cabos nicht ansatzweise gebannt.

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