Ein zwiespältiger Präsident

  • Von Hans-Jochen Tschiche
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

In den Reden des Bundespräsidenten Joachim Gauck, der jetzt 100 Tage im Amt ist, habe ich einen Schlüsselsatz gefunden, der seine Sicht auf die deutsche Nachkriegsgeschichte bestimmt. Er habe zwei Drittel seines bisherigen Lebens in Diktaturen zugebracht, nun aber sei er seit 20 Jahren in der Demokratie des Westens angekommen. Er habe die Ufer der Freiheit erreicht. Endlich sei er da, wohin er schon immer wollte.

Der amerikanische Präsident Ronald Reagan hatte einst über das Reich des Bösen gesprochen und meinte das sowjetische Imperium. Er und manche andere westliche Politiker unterliegen der Versuchung, die real existierende Demokratie zum Mythos der Freiheit zu erhöhen. Joachim Gauck sieht die Bundesrepublik im Lichte dieses Mythos. Sein märchenhafter Aufstieg vom Pfarrer am Ende der Welt aus der Ägide eines pseudosozialistischen Staates zum Bundespräsidenten des vereinigten Deutschlands ist atemberaubend und nicht geeignet, Myt...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.