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Nur ein Kasperletheater

Puppen sorgen im Vorfeld des Klassikers Spanien gegen Frankreich für Empörung

  • Von Jan Reinold, SID
  • Lesedauer: 3 Min.

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Seit Monaten sorgen Dopingvorwürfe aus Frankreich gegen den gesamten spanischen Sport für Empörung.

Selbst Superhelden finden kein Mittel gegen die gedopten spanischen Sportstars. Iker Casillas, Rafael Nadal, Alberto Contador und Pau Gasol verprügeln Captain America, Donnergott Thor, den unglaublichen Hulk und Iron Man böse. »Die nehmen Sachen - unglaublich«, seufzt Thor.

Es sind diese Kasperlepuppen-Sketche des französischen TV-Senders Canal+, die für Wut und Empörung bei den Iberern sorgen. Vor dem EM-Viertelfinale am Samstag sagt Spaniens Mittelfeldstar Andrés Iniesta deshalb: »Hoffentlich können sie ihr Kasperletheater nicht mit uns fortsetzen.«

Die anhaltenden Erfolge der spanischen Sportler in den vergangenen Jahren bieten weltweit Anlass zu Gerüchten und Spekulationen. Canal+ geht die Angelegenheit auf humoristische Art und Weise an. In einer Episode der Satire uriniert Tennisprofi Nadal in den leeren Tank seines Wagens, kurze Zeit später wird er von der Polizei wegen Raserei aus dem Verkehr gezogen. In einer anderen Episode unterschreiben Casillas und Nadal mit Blutspritzen Solidaritätsbekundungen für den gesperrten Radprofi und ehemaligen Toursieger Contador.

Für die einen sind diese und andere Videos lustig. Für viele Spanier selbstverständlich nicht. Der spanische Tennisverband RFET und der spanische Radsportverband RFEC wollten Canal+ verklagen. Auch Nadal reagiert verschnupft. »Das Problem in Frankreich ist, dass sie jedem misstrauen. Mich hat es nicht zum Lachen gebracht«, sagte der Rekordgewinner der French Open: »Ich akzeptiere nicht, dass sie mich als Doper abstempeln, weil ich seit meinem siebten Lebensjahr jeden beschissenen Tag unzählige Stunden für meinen Traum geschuftet habe.«

Die Satire aus Frankreich sorgte sogar für diplomatische Verstimmungen. Für José Ignacio Wert, Spaniens Minister für Bildung, Kultur und Sport, sind die Clips aus dem Nachbarland eine »fremdenfeindliche Attacke«: »Nach all den Jahren, in denen die Franzosen weder Roland Garros noch die Tour de France gewonnen haben, müssen sie die Schuld dafür bei uns vor der Haustür abladen.«

Ähnlich äußerte sich auch der Generalsekretär der spanischen Sozialisten. »Man muss die Franzosen verstehen. Der französische Sommer ist sehr schlecht. Jedes Jahr gewinnen wir Roland Garros, die Tour - und sogar im Fußball«, witzelte Alfredo Pérez Rubalcaba.

Bei Canal+ kann man all die Aufregung um die Videos nicht nachvollziehen - und nimmt sich selbst aufs Korn. »Die Spanier werden schon nicht wegen eines Witzes über Rafael Nadal in Frankreich einmarschieren«, sagte Lionel Dutemple, einer der Drehbuchautoren: »Sie bräuchten aber auch nicht die ganze Armee. Zwei Soldaten reichen.«

Zu etwas mehr Gelassenheit riet auch Spaniens Fußball-Nationalheiligtum Iker Casillas. Er finde die Satire »komisch« und fühle sich »ein bisschen geschmeichelt«, sagte der »heilige Iker« der spanischen Sporttageszeitung AS vor dem EM-Duell am Samstag.

Im Internet kursiert inzwischen eine erste spanische Version des französischen Kasperletheaters. »Liebe Franzosen«, schreibt da eine Casillas-Puppe, »am Samstag geht's um die Wurst (wörtlich: Fleisch und Knochen). Seid pünktlich. Viele Grüße, Iker Casillas.«

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