Von Jérôme Lombard

Mit Schlafsack und Matratze ins Klubhaus

Senioren protestieren mit Besetzung gegen Schließung ihrer Begegnungsstätte

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Klare Botschaft: Sie wollen bleiben.

»Wir bleiben, bis der Bagger kommt!« lautet der Kampfruf der Senioren. Es ist schwül-warm. Die Sonne strahlt. Senioren und jüngere Unterstützer tragen schwitzend Matratzen, Schlafsäcke und Decken in das grau-verputzte Haus. »Dieses Haus ist besetzt! Wir bleiben alle!« Diese Parole steht nicht etwa als politisches Graffito an einer Hauswand in Kreuzberg oder Friedrichshain. Sie prangt vielmehr in großen roten Lettern auf einem Transparent vor dem Eingang der Seniorenfreizeitstätte in der Stille Straße 10 am Majakowskiring in Pankow.

Das dem Land Berlin gehörende Haus sorgt in diesen Tagen in dem ansonsten so beschaulichen Wohnviertel für Aufsehen. Es wurde am gestrigen Freitag von rund 20 Senioren für besetzt erklärt. Sie wollen nicht zulassen, dass ihre Begegnungsstätte am 30. Juni geschlossen und dem Liegenschaftsfond zum Verkauf übergeben wird.

Seit jeher ist die Freizeit- und Begegnungsstätte der Mittelpunkt der älteren Anwohner im Kiez. Über 300 Senioren treffen sich hier regelmäßig zum gemeinsamen Musizieren, Malen und Sport treiben. Der große Garten bietet Raum für gemeinsame Grillabende und Schachturniere. Doch damit soll nach den Plänen des Bezirks Schluss sein. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) will nach ihrem aktuellen Haushaltsbeschluss rund fünf Millionen Euro einsparen. Die Kürzungen treffen auch die kommunale Begegnungsstätte. Die Seniorengruppen sollen auf andere Einrichtungen verteilt werden. »Unsere Gemeinschaft soll auseinander gerissen werden«, sagt Clubvorsitzende Doris Syrbe. Viele der 70 bis 90 Jahre alten Senioren seien seit über 20 Jahren in dem Haus zusammen aktiv. Weitere Anfahrtswege und neue Umgebungen seien für die älteren Menschen nicht zumutbar. Nach Angaben der zuständigen Stadträtin für Soziales, Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD), betragen die jährlichen Unterhaltskosten der Begegnungsstätte 60 000 Euro. Eine nötige Instandsetzung beliefe sich auf 2,2 Millionen Euro. »Die BVV-Abgeordneten haben keine Ahnung von den Bedürfnissen älterer Menschen«, so Uta Dzudzek, Leiterin der Stuhlgymnastikgruppe und eine der Besetzerinnen.

Sie steht im Garten unter einem der großen Apfelbäume und spricht mit aufgebrachter Stimme: »Schauen Sie, diesen alten Baum kann man auch nicht einfach umpflanzen. So verhält es sich auch mit uns Senioren.« Sie wolle mit der Besetzung für die Begegnungsstätte und einen würdevollen Ruhestand kämpfen.

Unterstützung erhalten die kämpferischen Senioren von der Linkspartei. Stefan Liebich, Pankower Bundestagsabgeordneter, erklärt sich in einer Pressemitteilung solidarisch: »Ich habe hohen Respekt vor den Senioren der Stille Straße. Wenn ältere Menschen mitten im Sommer bei hohen Temperaturen durch eine Hausbesetzung den Kampf für soziale Gerechtigkeit aufnehmen, sollte auch dem letzten Pankower Sozialdemokraten klar werden, dass es so nicht weitergehen kann.« Die Senioren wollen ihr Haus solange besetzt halten, bis ihnen akzeptable Lösungsvorschläge vorgestellt werden.

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