Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Klimaschaden für Jahrzehnte

RWE will im Rheinischen Braunkohlerevier noch ein Kraftwerk bauen

RWE plant ein weiteres Braunkohlekraftwerk in Bergheim-Niederaußem bei Köln – das umweltfreundlichste und modernste der Welt, wirbt der Essener Konzern für das Projekt. Doch Klimaschützer sind weniger begeistert.
Die erste bürokratische Hürde hat RWE genommen: Der Regionalrat Köln leitete am Freitag ein Verfahren zur Änderung des Regionalplans ein. Für den Energieriesen ein »wichtiger Schritt« für das »Kraftwerksvorhaben« BoAplus in Bergheim-Niederaußem.

Das 6000-Einwohnerstädtchen im Rheinischen Braunkohlerevier ist vor allem für seine besonders klimaschädlichen Braunkohlekraftwerke bekannt. Und nun ein neues Braunkohlemonster? RWE argumentiert: Im Gegenzug würden ältere Kraftwerksblöcke still gelegt. BoAplus habe einen höheren Wirkungsgrad, verbrauche 30 Prozent weniger Kohle und stoße entsprechend zehn Prozent weniger Kohlendioxid aus als seine Jahrzehnte alten Vorläufer.

Eine Argumentation, der nicht jeder folgen mag. Die Regionalratssitzung war begleitet von Protesten: Greenpeace und die Anti-Kohlekraft-Initiative »ausgeco2hlt« demonstrierten gegen den Ausbau des Braunkohlekraftwerkes. »Nehmt Wind, Wasser, Sonne – BoA+ in die Tonne«, fordert »ausgeco2hlt«. Das Ziel der Kampagne: Den »weiteren Ausbau des Klimakillers Nr. 1« zu verhindern, letztlich der »sofortige Ausstieg aus der Braunkohle«.

»Viele der politischen Vertreter, die im Regionalrat über das neue Kraftwerk entscheiden, haben sich anscheinend noch nie ernsthaft mit dem Thema Klimawandel beschäftigt. Ansonsten wäre Ihnen klar, dass wir sofort aus der Kohleverstromung aussteigen müssen«, meint »ausgeco2hlt«-Sprecherin Dorothee Häußermann. Das drohende Kraftwerk würde aus Häußermanns Sicht »die bestehenden zentralistischen und auf fossile Energieträger ausgerichteten Strukturen« stützen. Die jedoch stünden einer wirklichen Energiewende im Wege.

BoAplus werde das modernste und umweltfreundlichste Braunkohlekraftwerk der Welt, sagt RWE Unter dem Strich würde es 3 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen - allerdings auch 27 Millionen Tonnen emittieren. Und dazu Schwefeldioxid, Feinstaub, Schwermetalle, Quecksilber und Radioaktivität, wie Greenpeace-Experten monieren. All das auf Jahrzehnte hin - denn natürlich rentiert sich das Kraftwerk nicht, wenn es nur ein paar Jahr Strom liefert.

Auch im Regionalrat ist nicht jeder begeistert von der Idee des Kraftwerkes BoAplus: Sowohl Grüne als auch LINKE stimmen gegen das aus ihrer Sicht klimaschädliche Projekt. Die LINKE-Fraktion bestreitet gar, dass die Sitzung regulär stattfindet und rechtswirksame Beschlüsse fassen könne.

Denn die Mitglieder seien nicht ordnungsgemäß eingeladen worden, die dreiwöchige Ladungsfrist sei verletzt worden, sagt Peter Singer, Vorsitzender der Linksfraktion im Regionalrat. Die Bezirksregierung Köln bestreitet das: Die Unterlagen seien fristgerecht verschickt worden. Und selbst dann, wenn die Ladungsfrist verletzt worden wäre, würde das keinen Verfahrensfehler begründen und sei für das Verfahren unerheblich. Die Pressestelle beruft sich dabei auf eine angebliche »ständige Rechtsprechung«, vermag diese Aussage aber auf Nachfrage nicht zu konkretisieren.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln