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2:1 für Monsanto

Brasiliens Sojabauern verlieren in zweiter Instanz gegen Gentechnikkonzern

  • Von Norbert Suchanek, Rio de Janeiro
  • Lesedauer: 2 Min.

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Die Kasse des Gentechnikkonzerns Monsanto darf weiter klingeln. Ein Gericht in Südbrasilien entschied, dass der US-Konzern weiter Gebühren für den Anbau seines genetisch manipulierten Saatguts von brasilianischen Sojafarmern erheben darf.

1998 brachten Schmuggler illegal Saatgut von gentechnisch veränderten Sojabohnen aus Argentinien in den brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul. Seither wächst Gentech-Soja aus dem Hause Monsanto in Brasilien. Doch erst mit der staatlichen Sanktionierung des Gentechnikanbaus durch die Regierung Lula da Silva im Jahr 2003 entwickelte sich das Saatgut des US-Konzerns auch zum legalen Verkaufsschlager.

Heute setzen fast 100 Prozent der Sojafarmer im Süden Brasiliens auf Sorten vom Typ Roundup Ready, die gegen das umstrittene Totalherbizid Glyphosat (Handelsname Roundup) resistent sind. Bezogen auf ganz Brasilien wachsen auf 85 Prozent der insgesamt 25 Millionen Hektar Soja-Anbaufläche Sorten aus dem Genlabor.

Brasiliens rund fünf Millionen Sojafarmer, aber auch Bauerngewerkschaften sind trotzdem nicht gut auf Monsanto zu sprechen. Seit 2009 liegen sie im Rechtsstreit mit Monsanto. Mit dem legalen Verkauf des Saatguts kamen nämlich auch neue finanzielle Ansprüche des US-Konzerns. Seit der Erntesaison 2003/2004 sollten die Farmer zusätzlich zum Kaufpreis des Saatguts auch noch eine Gebühr in Höhe von zwei Prozent des Ernteerlöses an Monsanto zahlen. »Das ist wie eine private Steuer und damit illegal«, so die Anwältin Jane Berwanger. Das Monsanto-Gebührensystem sei unfair, beklagt ebenso der Präsident der Vereinigung der Soja- und Maisproduzenten von Mato Grosso, Carlos Fávaro. Monsanto lasse die Bauern doppelt blechen. Doch nicht nur dies. Überall in den Anbaugebieten sind »Monsanto-Spione«, die auch Bauern zur Kasse bitten, deren Felder unfreiwillig mit dem Monsanto-Produkt kontaminiert sind.

Vergangenen April erklärte das Gericht von Rio Grande do Sul in erster Instanz die Gebührenerhebung des Konzerns für unrechtmäßig. Die seit 2004 erhobenen Gebühren von umgerechnet rund sechs Milliarden Euro sollten den klagenden Farmern zurückerstattet werden.

Feiernde Gentech-Sojafarmer und Monsanto-Gegner weltweit haben sich allerdings zu früh gefreut. Denn Mitte Juni kassierte der übergeordnete Gerichtshof von Rio Grande do Sul das Urteil vom April. Eine endgültige Entscheidung des Rechtstreits durch den Bundesgerichtshof in Brasilia ist nicht vor 2014 zu erwarten.

Das Urteil zugunsten des US-Konzerns fiel zusammen mit einer Entscheidung der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, die gleichfalls Monsantos Kassen klingeln lässt. Bislang darf in der EU Gentech-Soja zwar importiert, verarbeitet, verfüttert und gegessen werden, der Anbau jedoch ist noch verboten. Dies könnte sich bald ändern, denn die EFSA hat nun grünes Licht für den Anbau der vom US-Konzern entwickelten herbizidresistenten Sorte gegeben. Der Anbau der Gentech-Sojabohnen von Monsanto sei nicht umweltschädlicher als der von konventionellen Sojasorten.

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