Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Jenseits von Wagner

Das Bayreuther Opernhaus steht nun auf der Welterbeliste - die Stadt hofft auf mehr Touristen

Deutschland hat seit dem Wochenende ein neues Weltkulturerbe. Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth gehört nun laut UNESCO zu den größten Schätzen der Menschheit.

St. Petersburg/München (dpa/nd). Jubel in Bayern, Trübsal in Baden-Württemberg: Die UNESCO hat das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth einstimmig zum Weltkulturerbe ernannt. Der barocke Prachtbau sei eines der wichtigsten architektonischen Zeugnisse der absolutistischen Gesellschaft im 18. Jahrhundert, begründete das Welterbe-Komitee aus 21 Mitgliedern auf seiner Tagung in St. Petersburg seine Entscheidung. Dagegen blieb der Kurfürstlichen Residenz im baden-württembergischen Schwetzingen die Anerkennung erneut verwehrt. Das UNESCO-Komitee ließ am Sonntag nach heftiger Debatte aber einen neuen Antrag von Schwetzingen grundsätzlich zu.

Bayern kann nun mit sieben Universaldenkmälern aufwarten. Der Freistaat will die Oper in den kommenden vier Jahren für knapp 19 Millionen Euro restaurieren. »Das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth ist ein Juwel und zählt zu den besterhaltenen Beispielen barocker Baukunst«, teilten Bayerns Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) und Finanzminister Markus Söder (CSU) gemeinsam mit.

Das Gebäude wurde 1746 bis 1750 erbaut und ist immer noch in seiner ursprünglichen Form erhalten. Das Opernhaus ist ein Werk des damals europaweit führenden Theaterarchitekten Giuseppe Galli Bibiena. Genutzt wurde es nicht nur für künstlerische Aufführungen, sondern auch für Feste.

Auftraggeber für den Bau war das Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine von Brandenburg-Kulmbach. Die Lieblingsschwester von Preußenkönig Friedrich II. wurde wurde 1709 geboren. Ihre Mutter hatte große Pläne mit ihr, sie sollte durch Heirat Königin von England werden. Doch der Plan scheiterte, Wilhelmine wurde in die Markgrafschaft Bayreuth verheiratet. Mit Markgraf Friedrich hatte sie eine Tochter, Elisabeth Friederike Sophie (1732-1789). Wilhelmine wurde auf den Gebieten Kunst und Kultur zu einer außergewöhnlichen Frauengestalt des 18. Jahrhunderts - sie komponierte, dichtete, malte, führte Regie. Sie stand beispielsweise in Briefkontakt mit dem Philosophen Voltaire. Unter ihrer Ägide entstanden zahlreiche neue Bauwerke, so auch das Neue Schloss. Sie starb im Alter von 49 Jahren. Indirekt ist das Opernhaus auch der Grund dafür, dass Richard Wagner nach Bayreuth kam und den Ort zu seiner Festspielstadt machte: Das Opernhaus lockte den Komponisten an, doch schließlich fand er das Haus dann doch ungeeignet für seine Pläne. In Bayreuth blieb er trotzdem - König Ludwig II. ließ ihm ein neues Festspielhaus auf dem Grünen Hügel errichten.

Die oberfränkische Stadt hofft nach der UNESCO-Entscheidung nun auf mehr Touristen. »Mit dieser Entscheidung ist ein wesentlicher Meilenstein für eine gute Zukunft Bayreuths gelegt«, wurde Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe (freie Wählervereinigung »Bayreuther Gemeinschaft«) von der Stadt zitiert. Sie hatte die Entscheidung in St. Petersburg verfolgt. »Bayreuth wird neben Richard Wagner und seinen Festspielen fortan in aller Welt auch mit dem Markgräflichen Opernhaus verbunden werden.«

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln