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Alte Orgeln - neueste Technik

Wirtschaftsminister Christoffers (LINKE) auf Innovationstour bei Schuke-Orgelbau

  • Von Haiko Prengel, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Kirchen werden zwar immer leerer, aber mit Orgeln kann man offenbar noch Geld verdienen: Zum Auftakt seiner diesjährigen »Innovations-Tour« hat Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (LINKE) am Montag ein Orgelbau-Unternehmen besucht - die Alexander Schuke Potsdam-Orgelbau GmbH in Werder an der Havel.

Der Traditionsbetrieb stellt zwar schon seit 1894 die Tasteninstrumente für Kirchen und Konzerthallen her, die Anfänge reichen aber sogar bis 1820 zurück. Neuerdings entstehen die Pfeifen und anderen Bauteile aber in einem besonderen technischen Verfahren, das gemeinsam mit Wissenschaftlern der Uni Potsdam entwickelt wurde. Unter anderem die Strömungsverhältnisse unterschiedlichster Orgeln haben die Experten optimiert. Zudem eröffneten sich neue Möglichkeiten der Restauration. Dafür bekam der Betrieb 2009 den Innovationspreis Berlin-Brandenburg.

Mit seinen 25 Mitarbeitern baut und restauriert Schuke Orgeln für Kirchen auf dem ganzen Globus. So durfte Christoffers erste Pfeifen und Teile einer großen Orgel bestaunen, die bald den Konzertsaal in Pingtung im fernen Taiwan schmücken soll. Er könne leider nicht selbst Orgel spielen, sagte der Minister mit leichtem Bedauern. »Gerne und regelmäßig« gehe er jedoch als Zuhörer zu Orgel-Konzerten in der Mark Brandenburg. Die Firma Schuke lobte Christoffers als Beispiel dafür, dass Innovationen nicht nur in Bereichen wie IT oder Luft- und Raumfahrt, sondern auch im traditionellen Handwerk möglich seien.

Allein in den märkischen Kirchen seien schätzungsweise 1000 Orgeln restaurierungsbedürftig, sagte Schuke-Mitarbeiter Detlef Zscherpel. Viele wurden seit Jahrzehnten nicht gereinigt und pfeifen sprichwörtlich auf dem letzten Loch. Das Problem der Orgel-Bauer ist, dass immer weniger Menschen in die Kirche gehen - nicht nur in Brandenburg, sondern in ganz Deutschland. Für eine Restaurierung der Orgeln fehlt den klammen Kirchengemeinden das Geld. »Deshalb schauen wir immer mehr ins Ausland«, sagte Zscherpel, ein promovierter Physiker.

Außerdem gebe es immer mehr Konkurrenz: Allein in Deutschland gibt es nach Angaben des Bunds Deutscher Orgelbaumeister (BDO) rund 2000 Beschäftigte im Orgelbau, der BDO vertritt die Interessen von über 100 Werkstätten in West und Ost. Dem Betrieb Schuke macht aber zunehmend ausländische Konkurrenz zu schaffen: Betriebe, die an Material und Personalkosten sparten und »Billigorgeln« verkauften, klagt Detlef Zscherpel.

Die teuerste Orgel, die je bei Schuke in Werder hergestellt wurde, steht im Dom zu Kaliningrad in Russland. Dort war die alte Orgel einem »Volltreffer im Zweiten Weltkrieg« zum Opfer gefallen, wie Zscherpe weiß. Die neue sei der Kaliningrader Gemeinde drei Millionen Euro wert gewesen, inklusive Schnitzwerk.

Aber auch in Mexiko gab es vor kurzem einen Großauftrag, in der Kirche von Zamora. 26 Meter hoch ist laut Zscherpe dort die Schuke-Orgel. »Da sind die Menschen noch gläubig. Die Kirche ist immer so voll, dass kaum Platz für eine Orgel war.«

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