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Streiks bei Neckermann

Geschäftsführung bot Streikbrechern Prämie an / Weiter 1500 Jobs in Logistik und Textil bedroht

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.
Auch nach dem zweitägigen Streik beim Frankfurter Großversandhaus Neckermann für einen Sozialplan ist ein Ende im Konflikt um drohende Massenentlassungen nicht in Sicht.

Der Streik beginnt. Zur Durchsetzung eines Sozialplans im Falle von Entlassungen hatten Ende Juni 98 Prozent der ver.di-Mitglieder bei Neckermann in Frankfurt am Main für den Arbeitskampf gestimmt. Anfang der Woche hatte ein zweitägiger Streik am Neckermann-Stammsitz den Versandhandel lahmgelegt. Mit Demonstrationen durch das Gewerbegebiet an der Hanauer Landstraße, Kundgebungen und einem symbolischen Sitzstreik vor dem Betriebstor protestierten die Beschäftigten gegen den drohenden Abbau von rund 1500 der 2000 Frankfurter Arbeitsplätze. Dem Vernehmen nach soll die Geschäftsleitung noch vorige Woche versucht haben, den Arbeitskampf mit einer Streikbruch-Prämie von zehn Euro pro Stunde zu untergraben. Dieses Angebot habe das Management dann aber rasch wieder zurückgenommen.

Das Management beharrt nach wie vor darauf, die Logistiksparte und das eigene Textilsortiment sowie die Printwerbung mit dem über Generationen bekannt gewordenen Neckermann-Katalog aufzugeben.

Die Abbaupläne hatten die Belegschaft und ver.di-Funktionäre im Frühjahr kalt erwischt. Aus der Sicht der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat wurden in dem Kontrollgremium in den Wintermonaten zwar die Probleme, insbesondere im Bereich Textil, diskutiert. Gleichzeitig seien jedoch eine Perspektive für das Gesamtunternehmen eröffnet und dafür sogar personelle Veränderungen auf der Ebene der Führung vorgenommen und entsprechende Konzepte vorgestellt worden, heißt es in einer ver.di-Publikation. All dies sei umso unverständlicher, weil die Logistik-Beschäftigten noch vor wenigen Monaten einen internen Onlinepreis erhalten hatten, nach dem die Arbeitszeiten in der Logistik an die Anforderungen des E-Commerce vorbildlich gestaltet worden waren, so Stefanie Nutzenberger, Bundesvorstandsmitglied und Leiterin des ver.di-Fachbereichs 12.

Die Gewerkschafter setzen den Kahlschlagsplänen ein Alternativmodell für eine deutlich bessere Auslastung der Logistik- und Versandkapazitäten entgegen. Durch Einbeziehung anderer Textilketten, die ihr Angebot um den Versandhandel erweitern könnten, wäre eine deutlich höhere Auslastung der Frankfurter Neckermann-Versandanlage möglich, argumentieren sie. Damit könne die Stilllegung der Anlage verhindert und ein großer Teil der Arbeitsplätze erhalten werden.

Das Management zeigt bislang indes keine Bereitschaft, über die Pläne zu reden. Damit drohe eine »soziale Katastrophe«, warnt Nutzenberger. Denn viele der um ihren Job bangenden langjährigen Beschäftigten sind über 50 Jahre alt und haben einen Migrationshintergrund. Mit dem von ver.di geforderten Sozialtarifvertrag mit Abfindungen und Qualifizierungsregelungen über eine Transfergesellschaft soll ihr Los abgemildert werden.

Das 1950 gegründete Versandhaus war in der Nachkriegs-BRD ein Inbegriff des »Wirtschaftswunders«. In den 1970er Jahren übernahm Karstadt die Mehrheit der Anteile, nachdem der Betrieb wirtschaftlich ins Schlingern gekommen war. Seit wenigen Jahren gehört Neckermann dem US-Finanzinvestor Sun Capital, der nach eigenen Angaben weltweit Beteiligungen in den Branchen Autozulieferer, Pharma, Gesundheit, Verpackungen, Einzelhandel, Lebensmittel, Restaurants und Textilien hält.

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