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Gegnerinnen von Putin bleiben in Haft

  • Von Bernhard Clasen
  • Lesedauer: 2 Min.

Ein Moskauer Gericht hat die Aufhebung der Untersuchungshaft für die feministische Punkband »Pussy Riot« abgelehnt. Seit sieben Tagen befinden sich die Frauen im Hungerstreik.

»Mädchen hört mit dem Hungern auf!« postete kürzlich ein Unterstützer der russischen Punkgruppe »Pussy Riot« auf seiner Facebook-Seite. Seit sieben Tagen verweigern die inhaftierten Künstlerinnen Maria Alechina, Nadeschda Tolokonnikowa und Ekaterina Samuzewitsch das Essen. Sie protestieren damit gegen die Untersuchungshaft und die viel zu knapp bemessene Zeit zur Akteneinsicht. Gerade vier Stunden am Tag dürfen die Frauen diese studieren.

Die Kreml-Kritikerinnen befinden sich seit Anfang März in Untersuchungshaft. Sie hatten am 21. Februar - zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Russland - vor dem Altar der Moskauer Christi-Erlöser-Kathedrale laut für ein Ende von Putins Herrschaft »gebetet«. Darin heißt es: »Mutter Gottes, vertreibe uns den Putin. Mutter Gottes, werde Feministin«.

Erzpriester Tschaplin wertete den Auftritt schlimmer als Mord. Die Taten von »Pussy Riot« erinnerten ihn an die Kirchenschändungen in den 30er-Jahren, erklärte der Kirchenobere. Bei einer Verurteilung drohen den drei Frauen mehrere Jahre Haft.

Am Montag wies ein Berufungsgericht erneut die Beschwerden gegen die Anordnung der Untersuchungshaft zurück. Die Entscheidung wird unter anderem mit Fluchtgefahr begründet. Die drei Frauen werden so noch mindestens bis zum 24. Juli in Untersuchungshaft bleiben. In der Gerichtsverhandlung hatte der Vater von Ekaterina Samuzewitsch mit Gesten verzweifelt gebeten, den Hungerstreik einzustellen. Sprechen konnte er mit ihr nicht, die Untersuchungsgefangenen waren nur per Video mit der Gerichtsverhandlung verbunden. Vor dem Gerichtsgebäude hatten sich Unterstützer und Gegner von »Pussy Riot« eingefunden. Ein orthodoxer Christ forderte lautstark die Einführung der Todesstrafe für Gotteslästerung.

Insbesondere der Zustand von Nadeschda Tolokonnikowa ist besorgniserregend. Sie müsste regelmäßig Tabletten gegen Kopfschmerzen einnehmen, verzichtet wegen des Hungerstreiks aber auch darauf. In der Folge haben ihre Kopfschmerzen so zugenommen, dass sie nachts kaum schlafen kann.

In der Haft dürfen die Feministinnen neben ihren Prozessakten nur ein Buch lesen: die Bibel. Anfang Juli suchte ein orthodoxer Priester ein Bandmitglied im Gefängnis auf. Als diese ihn bat, die Zelle wieder zu verlassen, da sie kein Gespräch mit ihm wünsche, bespritzte der Geistliche die Gefangene und ihr Bett mit Weihwasser.

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