Marcus Meier 15.07.2012 / Kolumnen
Netzentwicklungsplan

Unverzichtbar für die Energiewende?

Ganz im Gegenteil: Die vier geplanten »Stromautobahnen« behindern den Umstieg auf Erneuerbare

Sind die vier geplanten »Stromautobahnen« wirklich essentiell für die Energiewende? Und wenn ja: Für wessen Energiewende? Die geplanten Netze zementieren die alten, konzernbasierten und zentralistischen Strukturen, sagen Umweltverbände und kritische Wissenschaftler. Aktuell entzündet sich der Konflikt am jüngst vorgestellten Netzentwicklungsplan.


Das Tempo des Stromnetzausbaus sei entscheidend für Tempo und Erfolg der Energiewende, argumentieren die Stromnetzbetreiber. Die Unternehmen 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW planen insbesondere vier große »Stromautobahnen« mit einer Gesamtlänge von knapp 4000 Kilometern. Starten sollen die Trassen im hohen Norden, in Niedersachsen und Schleswigs-Holstein sowie Sachsen-Anhalt, und dann gen Süden führen nach Knotenpunkten Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, von wo der Strom weiter verteilt wird; kurzum: Von dort, wo der Wind ordentlich tobt und Turbinen antreibt nach dahin, wo er verbraucht wird, in den industriellen Zentren des Südens.
Das klingt auf den ersten Blick alles plausibel – und schlagzeilenträchtig kritisiert wird allenfalls der lahmende Ausbau der Netze. So warnt die Bundesnetzagentur schon vor drohenden Stromausfällen. Also: Her mit den »vier Stromautobahnen für eine Energiewende«, wie die »Tagesschau« verkündet, das aber ein bisschen schneller? 


Kritische Geister sehen das alles ein wenig anders. Der Ende Mai von den Übertragungsnetzbetreibern vorgelegte Netzentwicklungsplan 2012 ruft massiven Widerspruch hervor. Drei der 1500 Stellungnahmen zum Plan verdienen eine besondere Beachtung.Netzentwicklungsplan behindert Energiewende
»Ein hohes Windstromangebot aus dem Norden behindert den Aufbau dezentraler Versorgungsstrukturen aus erneuerbaren Energien im Süden«, heißt es in einer Stellungnahme des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU). Der Netzentwicklungsplan ignoriere alternative Möglichkeiten, Strom zu erzeugen, zu speichern und zu verteilen, moniert deren Verfasser Prof. Jürgen Rochlitz, BBU-Vorstand und Mitglied der Kommission für Anlagensicherheit der Bundesregierung. 
Generell sei es »mehr als fragwürdig, die Netzausbauplanung den Netzbetreibern zu überlassen«. Schließlich verdienten die an Bau und Betrieb von Leitungen. Sie seien eng mit den vier großen Energiekonzernen verbunden. Und sie hätten ein Interesse »an der Festigung des derzeitigen zentralistischen Systems der Energieerzeugung und -verteilung«. Rochlitz Fazit: »Der Netzentwicklungsplan behindert eine zügige Energiewende und erhöht die Kosten für die Verbraucher«. 
Stromtrassen.

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