Die unbeglichenen Rechnungen der »Magermans«

Ehemalige mosambikische Vertragsarbeiter fordern von Maputo die Auszahlung ihrer in der DDR verdienten Löhne

  • Von Louise Sherwood, Maputo (IPS)
  • Lesedauer: 3 Min.
Sie kämpfen seit 22 Jahren um ihr Recht: die ehemaligen mosambikischen Vertragsarbeiter in der DDR, denen die Regierung in Maputo bis heute ausstehende Löhne vorenthält.
1982: Schweißerausbildung junger Mosambiker in der Betriebsschule Kleinfurra des Erfurter Kombinats Landtechnische Instandsetzung
1982: Schweißerausbildung junger Mosambiker in der Betriebsschule Kleinfurra des Erfurter Kombinats Landtechnische Instandsetzung

Die »Magermans«, wie man in Mosambik die 16 000 bis 20 000 Menschen nennt, die vor Jahrzehnten in der DDR gearbeitet, studiert oder einen Beruf erlernt hatten, geben nicht auf. Seit 22 Jahren fordern sie den Anteil ihres Verdienstes, den die DDR-Regierung damals direkt an die Regierung in Maputo überwiesen hatte. Die hatte in einem Abkommen zugesagt, ihren Landsleuten das Geld nach der Rückkehr auszuzahlen.

Die »Magermans«, die »Leute, die aus Deutschland kommen«. treffen sich jeden Mittwoch um elf Uhr zu einer Protestdemonstration in der Hauptstadt. »Wir marschieren seit 22 Jahren, um unser in Deutschland verdientes Geld zu bekommen, und wir sind sicher, dass sie uns eines Tages bezahlen werden«, erklärte José Alfredo Cossa und schwenkte eine DDR-Flagge. »In Europa haben wir gelernt, wie man friedlich demonstriert. Wo sonst in Afrika gibt es eine solche Demonstration?«

Als Mosambik 1975 von der Kolonialmacht Portugal unabhängig wurde, verließen Hunderttausende portugiesische Fachkräfte das südostafrikanische Land. Um die Personallücke, die die Portugiesen hinterlassen hatten, mit Einheimischen schließen zu können, vereinbarte die Regierung unter Präsident Samora Machel 1979 mit der DDR-Regierung, Mosambiker nach Ostdeutschland zu schicken, die dort in volkseigenen Betrieben arbeiten oder eine Ausbildung erhalten sollten oder studieren konnten. Als Fachkräfte sollten die Männer und Frauen nach ihrer Rückkehr am Aufbau der Wirtschaft ihres Landes mitarbeiten. »Mit 21 Jahren wurde ich in die DDR geschickt. Ich sollte Tischler werden und erhielt nach Abschluss der Ausbildung einen Vierjahresvertrag«, berichtete Cossa. Andere fällten Bäume, arbeiteten in Schlachthöfen oder im Tagebau.

Berlin und Maputo hatten vereinbart, dass den Mosambikern 40 Prozent ihres Lohnes in bar ausgezahlt werden, die übrigen 60 Prozent sollten direkt nach Mosambik überwiesen werden. »Man versicherte uns, das Geld werde auf einem Bankkonto deponiert und uns nach der Rückkehr ausgezahlt.«

»Für die Migranten gab es damals vielerlei Gründe, die Heimat zu verlassen«, erklärte Lázaro Magalhães a Escova. Der »Magerman« arbeitet heute in der Verwaltung des Mosambikisch-Deutschen Kulturinstituts (IMCA) in Maputo. »Sie kamen aus verschiedenen Provinzen und flohen vor Krieg, Hunger oder der Zwangsrekrutierung durch die Armee.«

»Wir freuten uns, als in Berlin die Mauer fiel, doch wir fürchteten uns vor dem Fremdenhass der Skinheads und Neonazis, denn eine Regierung, die uns vor ihnen beschützte, gab es nicht mehr«, berichtete Magalhães. »Weil nach der Wiedervereinigung die volkseigenen Betriebe geschlossen werden sollten, stellte uns die Regierung in Mosambik vor die Wahl, auf eigene Verantwortung zu bleiben oder mit einem Freiflug nach Hause zu kommen.«

Diejenigen, die nach Mosambik zurückkehrten, hofften, sich dort mit dem noch ausstehenden Verdienst eine gesicherte Zukunft aufbauen zu können. »Ich hatte große Pläne«, berichtete Cossa. »Ich wollte eine Tischlerei aufbauen, in der Türen, Fenster und Möbel hergestellt werden, und später meine deutsche Freundin nachkommen lassen. Doch dann mussten wir feststellen, dass die Regierung unser Geld ausgegeben hatte. Alle Hoffnungen waren dahin.«

Jetzt haben die »Magermans« einen neuen Versuch unternommen, sich Gehör zu verschaffen. »Doch bisher haben wir keinen Termin für ein Treffen mit dem Premierminister erhalten«, berichtete Cossa. »Selbst wenn es noch Monate dauern sollte, wir warten schon 22 Jahre und werden niemals aufgeben«, versichert er.

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