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Streik in britischen Behindertenwerkstätten

Mitarbeiter wehren sich gegen Kürzungsvorhaben der Regierung

  • Von Christian Bunke, Manchester
  • Lesedauer: 2 Min.
Die britische Regierung plant den Kahlschlag bei einem staatlichen Unternehmen, das speziell Behinderten einen Arbeitsplatz bietet.

Am 19. Juli standen an allen Remploy-Standorten in Großbritannien die Maschinen still - es wurde gestreikt. 24 Fabriken sollen stillgelegt, 9 weitere privatisiert werden. 1421 Menschen werden zwischen August und Dezember ihren Job verlieren. Ein nächster Streiktag ist für diesen Donnerstag festgelegt.

Remploy ist kein normales Unternehmen: 1945 von der Labour-Regierung gegründet, stellte es zunächst Arbeitsplätze für verwundet heimkehrende Soldaten bereit. Über die Jahre wurde Remploy zu einem staatlichen Unternehmen für geistig und körperlich behinderte Menschen. Remploy zahlt Tariflöhne, die Beschäftigten sind außerdem gewerkschaftlich gut organisiert. Remploy-Fabriken sind unterschiedlich spezialisiert, die Bandbreite reicht von Betten bis hin zu Elektrowaren.

Sozialminister Ian Duncan Smith und die zuständige Staatssekretärin Maria Miller sehen Remploy als eine nicht mehr zeitgemäße Beschäftigungsform an. In einem an das Unterhaus gerichteten Statement erklärten sie, segregierte Beschäftigungsformen seien mit dem Gleichstellungsanspruch nicht zu vereinbaren. Außerdem müssten die Remploy-Fabriken aus der Regierungskontrolle befreit werden. Premierminister David Cameron unkte zudem, Remploy-Beschäftigte würden nur Tee trinken.

Die Regierung verspricht, entlassene Remploy-Beschäftigte mit Hilfe eines persönlichen Beraters in den »normalen« Arbeitsmarkt integrieren zu wollen. Dies klingt für die Beschäftigten wie blanker Hohn. Gewerkschaftliche Vertrauensleute erklärten wiederholt, für ihre Kolleginnen und Kollegen gebe es keinerlei Möglichkeiten auf dem Stellenmarkt. Umgekehrt kämen nicht wenige Remploy-Beschäftigte von Privatfirmen, aus denen sie von Führungskräften herausgemobbt wurden.

Auch gibt es bereits Erfahrungen mit Remploy-Schließungen. 2008 wurden durch eine Labour-Regierung 29 Fabriken dichtgemacht. 80 Prozent der Entlassenen haben bis heute keinen neuen Job gefunden und müssen sich mit Arbeitslosenhilfe herumschlagen. Dass die gegenwärtige Regierung Behinderte besser in den Arbeitsmarkt eingliedern will, lässt sich bezweifeln, betrachtet man deren sonstige Maßnahmen in der Behindertenpolitik. Unter anderem wird ein spezieller Fonds zur Ermöglichung eines unabhängigen Lebens für Schwerbehinderte komplett eingestellt. Von diesem Finanztopf haben bislang 19 000 Menschen profitiert.

Die Remploy-Beschäftigten nehmen die Regierung sowieso nicht ernst. Sie haben bereits in den vergangenen Jahren und Monaten die systematische Zerstörung ihres Unternehmens erlebt. So berichten Vertrauensleute, dass Stellen im großen Maßstab abgebaut wurden, während sich die Anzahl von Managern im Laufe der vergangenen zwei Jahre von 150 auf 400 erhöht hat. Diese Manager werden zum Ende des Jahres als Belohnung für ihre Mitarbeit an der Zerstörung von Remploy Bonuszahlungen in Höhe von zwei Millionen Pfund (rund 2,6 Millionen Euro) erhalten.

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